Ain’t nothing changed but the Grafikleistung.

Wow. Hip Hop.

Nach dieser schmissigen Einleitung, die euch vor Freude die Tränen in die Augen treibt und somit vergessen lässt, dass ich Blogmäßig zuletzt ein bisschen unmotiviert und faul war: weiter im Text. Ich hörte dereinst, gestern, aber „dereinst“ ist ein wunderschönes Wort, einen Podcast über den Supernintendo von Männern im perwollverwaschenen Alter zwischen Nicht-mehr- und schon-wieder-geil (28-40, frech geschätzt). Natürlich habe ich nicht die kompletten tausend Stunden gelauscht, weil ich im Allgemeinen der schlechteste Zuhörer der Welt bin, aber doch lange genug um sagen zu können: Ich hasse sie. Ich HASSE Leute, die in ihrer Kindheit respektive Jugend von ihren Eltern Spielekonsolen geschenkt bekommen haben. Der Neid frisst mich von innen heraus auf und ich habe dieses Kindheitstrauma, eines der vielen, schluchz, jammer, vielleichtmalanspiegeltvschreiben, bis heute nicht überwunden.

Ich hatte eine sehr ökologisch vertretbare Kindheit. Mit Holzspielzeug, Grünkernbratlingen, Sailor Moon-Verbot und Rohrzucker-Düsis (das sind die mongoloiden Adoptivbrüder von Cornflakes). Das führte zum einen dazu, dass ich schon früh lernte wahnsinnig kreativ zu sein und deshalb auch heute der lustigste und faszinierendste Mensch der Welt bin. Zum anderen lebte ich aber in permanenter Trauer und führte zu Supermario eine Romeo und Julia-hafte On-Off Beziehung, immer Abhängig von Wohlwollen meiner beiden Konsolen-Schulfreundinnen. Statt „Supermario“ hätte ich im vorhergehenden Satz fast „Sperma“ geschrieben. Ich weiß nicht warum.

I. und K., besagte privilegierte Zockermädchen befanden sich im Besitz eines Supernintendos (I.) sowie einer Playstation 1 und gehörten außerdem zu den Kindern, die ihren Eltern entweder egal waren, oder mit der hartarbeitenden, alleinerziehenden Mutter zusammen lebten. Für jemanden wie mich, der früher immer gespielt hat, als Waise den Reiterhof seiner Eltern zu erben, die ideale Familiensituation. Nach der Schule konnte man sich nicht nur selbst vorgekochte Spagetti Bolognese warmmachen, nein, es gab außerdem Milchschnitte (!!!) und die Option, stundenlang „Dragon Ball Z“ oder „Yoshi’s Story“ zu zocken und was soll ich sagen… Es war wunderschön. Auch heute noch lade ich mich bevorzugt bei Menschen mit Konsolen ein, mittlerweile aber, um betrunken und sehr aggressiv „Red Dead Redemption“ zu spielen. Sobald ich aber wieder zuhause bin, bei der verstaubten Playstation 2 und dem stark mitgenommen N64, bricht die Fassade zusammen. Holztiere, Kirschkernkissen, Eurythmie – mein Kopf droht zu explodieren, meine Hände zittern unkontrolliert, wie elektrisiert kratze ich mir das Gesicht blutig. Der Schmerz lodert wieder auf. Nichts hat sich geändert seit 1999. Nur die Grafikleistung.

Melancholische Tränen der Erinnerung fluten über mein feistes Gesicht, während ich leise wimmernd zu „Nothing Else Matters“ hin und her schunkle. Hach, Kindheit. Du Zeit des reinen Glücks und der ersten, zaghaft blühenden Profilneurosen.

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Deine Mutter. Der kiffende Bodensatz dieser Gesellschaft.

Unter Musikhörern bin ich mehr so der Typ des hängengebliebenen Kiffers, der stundenlang komplett apathisch auf seiner Couch hängt, ohne sich zu bewegen. Unterschied zu mir: Ich bin euphorisch apathisch.  Meine Nachbarn müssen mich hassen. Wenn ich nicht gerade technische Geräte oder meinen Bronzening Powder anschreie, höre ich nämlich Sachen im Loop. Heute war es „Demons“ von A$ap Rocky. Warum? Keine Ahnung.

Dies ist also der erste Verlegenheitsblogeintrag seit zwei Wochen und an dieser Stelle möchte ich erwähnen: Aus Gründen! Ich hatte zu tun. Meine Leber und ich waren überaus beschäftigt und bis jetzt ist noch nicht ganz klar geworden, wer aus dieser allgemeinen Produktivität weniger geschädigt hervorgegangen ist. Das wird wohl die Zukunft zeigen und ich werde mich in 32 Jahren an diesen Tag zurückerinnern und mir denken „Ach, wie schön war die liebliche Ungewissheit!“, während ich Blut spuckend meiner Exotic Shorthair Katze Tribals ins Fell bürste.

Ich arbeite jetzt wahnsinnig umständlich die vergangenen zwei Wochen auf. Beziehungsweise die „Highlights“. High-Lights. Hahahahaa. Haaaa. Fangen wir mit vergangenem Mittwoch an.

Eigentlich wollten wir einfach frech die Uni schwänzen, um im Computerspielemuseum rumzuhängen. In Berlin fanden nämlich die Games Tage statt, an denen normalerweise nur wahnsinnig wichtige oder wahnsinnig gutsituierte Leute teilnehmen. Am (und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage:) BESTEN Museum der Welt war allerdings ein Pavillon aufgebaut, in dem man die Spiele zocken konnte, die für den Deutschen Computerspielepreis nominiert waren (dazu komme ich später noch). Als wir dort mäßig attraktiv aufkreuzten, stellte sich allerdings heraus, dass das gerade alles erst eröffnet wurde und es demzufolge ein ausgesprochen großes Hallo gab. Was soll ich sagen. Es gab Schnittchen. Es gab langatmige Reden von Menschen in Jacketts. Es gab Wein umsonst. Und es gab besagte Spiele.

Weil ich ja so gerne auf mich aufmerksam mache, habe ich es dann auch direkt geschafft, den ersten Controller, den ich in die Hand bekam, zu zerlegen. Jeder wird verstehen, dass ich mich, beschwert von der unendlichen Scham, im Anschluss wahnsinnig schnell betrinken musste. Hat außerordentlich gut geklappt, mit glasigen Augen hörte ich anschließend noch Leuten mit schweizerischem Akzent zu, wie sie über Videospiele philosophierten und nach circa 52 gerauchten Zigaretten hatten wir plötzlich Listenplätze für die Aftershowparty des Deutschen Computerspielepreises.

Die fand am Donnerstag im Umspannwerk Alexanderplatz statt, das wir nach gefühlten 97 Kilometern in hohen Schuhen dann tatsächlich auch fanden. Es gab… kein Essen. Es gab viele ergraute Männer. Es gab Cosplayer. Es gab Wodka Energy. Es gab einen Nintendostand. Es gab fast eine Eskalation. Ich weiß nicht, ob irgendjemand von euch schon mal versucht hat, nach dem sechsten Longdrink irgendetwas in 3D zu spielen. Grenzerfahrungen wie diese hatte bisher wohl nur Roberto Blanco im Darkroom. Unabhängig davon, dass ich auch nüchtern kein sehr ausgeglichener Mensch bin, sobald ich irgendetwas Controllermäßiges in der Hand halte, duplizierte sich meine ohnehin lachhafte Reaktionsfähigkeit minus 1983084309483024. Zu verlieren ist schon ziemlich schön, noch fantastischer wird es allerdings, wenn jemand wahnsinnig gutgelauntes neben einem sitzt und Sachen sagt wie „Boah, krass! Ich habe den Highscore gebrochen! Das macht ja voll Spaß!“.

Mit zitternden Händen und zuckenden Augenlidern legte ich betont vorsichtig dieses… Ding zurück und verabschiedete mich für die kommenden tausend Stunden in Richtung Bar, wo ich Computerspielemenschen dazu zwang, sich mit mir über Wendyegoshooter, Helge Schneider und Brüste zu unterhalten. Klingt nach perfektem Smalltalk? Ja, finde ich auch! Irgendjemand hat dann noch getanzt. Menschen haben gefreestyled. Ein karrieremäßig sehr erfolgreicher Mensch sang für uns und begleitete sich dabei selbst auf der Gitarre – es war zauberhaft.

Dann sind noch andere Sachen passiert, aber ich habe keine Lust mehr zu schreiben. Schon wieder alles so anstrengend hier. Ich krieche zurück auf meine Couch und höre weiter „Demons“. Melusine und Cheerio, Brüder.