Nach Schmerzmittel/Hustensaft-Überdosis: unfertige Gedanken über das Schreiben.

Früher war alles mal einfacher. Und wenn ich früher meine, spreche ich nicht von dem Teil der Neunziger, als Torch und Mola Adebisi noch irgendeine popkulturelle Relevanz hatten. Ich spreche von dem Part meines Lebens, in dem ich tatsächlich noch hauptberuflich geschrieben habe. (Und nein. Damit meine ich nicht nur rap.de, tatsächlich war ich auch schon bei Institutionen täglich, die sogar eure Eltern lesen, aber vielleicht geht es euch auch einfach nichts an.) Da war eine leere Seite nichts, wovor man sich gefürchtet hat. Da hat man einfach angefangen zu tippen und Worte sind wie… Menstruationsblut aus einem rausgeflossen und irgendwie hatte man teilweise Unterleibskrämpfe deswegen, an sich wusste man aber: es ist etwas Natürliches. Nachdem ich mich bereits jetzt komplett in diese Scheiß-Metapher verstrickt habe, fange ich einfach nochmal neu an.

Ich glaube jeder kennt diese Zeitspanne, in der er weiß dieses und jenes jetzt erledigen zu müssen, aber er fühlt sich wie gelähmt und starrt lieber stundenlang vor sich hin, als tatsächlich anzufangen. Früher hatte ich das bei Dingen, auf die ich einfach absolut keine Lust hatte. Jetzt habe ich es bei allem. Wenn ich momentan versuche irgendetwas festzuhalten, und sei es nur ein popeliger Blogeintrag, den nur Leute lesen, weil sie wie Lichtjunkie-Fliegen haltlos von meinen komplett wahnsinnigen Überschriften angezogen werden, fühle ich mich wie DJ Bobo. DJ Bobo, der auf der Wiesn von einer Bierfass-Kutsche überrollt wurde, seitdem von den Knien abwärts Krüppel ist und deshalb nicht mehr Tanzen kann. Ich glaube, die Bierfass-Kutsche ist eine Allegorie auf meinen Kopf.

Jeder schreibt ein Buch und auch ich sollte es tun, denke ich mir. Nicht, weil ich gelangweilt bin. Nicht nur, weil jeder Geld brauchen kann und ich ganz besonders. Einfach, weil ich es könnte. Das ist keine Arroganz, das ist eine ganz realistische Einschätzung. Ich schaffe es problemlos, drei durchschnittlich dicke Bücher in der Woche zu lesen und wann immer ich was Neues im Schrank habe, tue ich das auch. Von behinderter Frauenlektüre bis hin zu hochintellektuellen Abhandlungen über das Leben von Galilei habe ich ungefähr ALLES und somit auch ein recht gutes Empfinden für Sprache und wie man mit ihr umgehen sollte. Auf meiner externen Festplatte befinden sich unzählige Textleichen, die ich irgendwann mal angefangen habe – in der Hoffnung, daraus würde mehr werden. Teilweise eine halbe, ab und an auch mal zehn Seiten Worddokumente liegen da rum und wurden seit Jahren nicht mehr fortgesetzt. Und ich sage mal ganz unbescheiden: jede einzelne fickt diesen ganzen Haufen „American Psycho“-Abklatschliteratur krass in den Arsch.

Ich setze mich also an meinen Laptop, habe ein komplettes Buch im Kopf, fange an zu tippen und dann kommt diese Bierfass-Kutsche und urplötzlich bin ich im Krankenhaus und jemand schenkt mir „Der Pferdeflüsterer“ in der Hoffnung, die Geschichte von dem Amputationsmädchen würde mich in meinem Lebenswillen irgendwie bestärken. Mit zitternder Unterlippe, aber doch voller Mut und starkem Blick in die Zukunft werde ich nicken. Der Besuch zieht erleichtert wieder ab und ich setze meine kaputten WeSC-Kopfhörer auf, schalte den iPod ein und höre DAS.

Oblivion – eine Mischung aus Beverly Hills 90210 und Human Centipede 2

Ich habe es des Öfteren versprochen. Ihr habt nicht darauf gewartet. Aber das macht nichts. Es ist soweit, Wahrheit wird verkündet. Ich erzähle euch, warum „Oblivion“ aus der Elder Scrolls Reihe (das habe ich jetzt nicht in Anführungszeichen geschrieben? Warum? Das werdet ihr nie erfahren. Womöglich möchte ich unberechenbar und wild wirken) das schlechteste Spiel aller Zeiten ist. An anderer Stelle wiederum werde ich euch das beste Spiel der Welt neben „Red Dead Redemption“, „Barbies Zauberhafte Pferdewelt“, vorstellen, aber das hat noch Zeit.

Tatsächlich wollte ich „Oblivion“ noch eine Chance geben, mich in letzter Sekunde doch noch vom Gegenteil zu überzeugen und dachte mir „Hey, vielleicht einfach noch mal reinspielen!“ – betont euphemistisch fasse ich die drei Sekunden, in denen ich darüber nachgedacht habe, in einen fiktiven Ausruf. Ich nahm also die Hülle, öffnete sie, während ein buckliger Hofnarr, mit fidel strampelnden, bestrumpften Beinchen auf dem Fensterbrett sitzend, orchestrale Musik auf seiner Blockflöte einspielte, und fand sie leer vor. Gefühlte fünfeinhalb Stunden später hatte ich die CD-ROM immer noch nicht gefunden, dafür aber einige andere interessante Dinge über mein Leben (ich besitze anscheinend eine Ferris MC Maxi-CD) heraus- sowie „Age Of Empires II“ und „Gothic 3“ wiedergefunden. Ihr seht also: ich habe mein Möglichstes getan, es soll aber einfach nicht sein. Dementsprechend gibt es keine Screenshots, keine topaktuelle Echtzeit-Meinungsbildung im Quasi-Liveticker und ich werde auch nicht der Béla Réthy des unbezahlten Videospiele-Privatjournalismus sein.

Dass meine Meinung nichtsdestotrotz mehr als begründet ist, versteht sich aber von selbst. Der Hass und das Unverständnis, ja, fast möchte ich sagen DER SCHMERZ über die Behindertness dieses Spiels sind immer noch frisch. Wären sie eine Wunde, hätte sich noch kein trockener Schorf gebildet. Das Übel beginnt bereits mit einem Menü, was an Hässlichkeit seinesgleichen sucht. An dieser Stelle möchte ich ERNEUT eine Lanze für „Barbies Zauberhafte Pferdewelt“ brechen. Das erschien nämlich 1998 und selbst das sieht besser aus. Weil ich aber zehn Euro für den Scheiß ausgegeben hatte und „Oblivion“ außerdem vor nicht allzu ewiger Zeit von der asthmatischen Hauskatze deiner Mutter zum „Spiel des Jahres“ gekrönt wurde, war meine Hoffnung noch nicht vollends abgekratzt. Sie spuckte aber schon etwas Blut.

„Zumindest die Story muss doch geil sein“, dachte ich mir, hoffnungslos Bioware-verwöhnt und entgegen der normalen Elder Scrolls-Käuferschaft im Vollbesitz meiner geistigen und intellektuellen Fähigkeiten. Bevor auch diese letzte, lächerlich naive Annahme pulverisiert wurde, hatte ich mich bereits an der Erstellung meines Spielecharakters versucht. Ein Unterfangen, was an Lächerlichkeit kaum zu überbieten war, da es offenkundig von den Machern gar nicht gewollt ist, ein menschenähnliches… Wesen zu konfigurieren – selbst irgendwelche grünen Echsenfantasiewesen, die ebenfalls zur Wahl standen, sahen einer tatsächlich existenzfähigen Lebensform ähnlicher.

Nachdem man sich also schon vor Beginn des tatsächlichen Games zu Tode geärgert hat, wacht man in einer Gefängniszelle auf. Als wäre es nicht schon genug, dass man aussieht wie ein Arschkomparse aus „Human Centipede 2“, wird einem auch zu keinem Zeitpunkt erklärt, warum das eigentlich so ist, geschweige denn WER man eigentlich ist. Stattdessen kommt ein offensichtlich  hart auf Halluzinogenen hängengebliebener König, der vollkommen wirre Scheiße von einem Traum faselt. Anscheinend kam man in ebenjenem vor und sei der Einzige, der ihn oder seinen Sohn, vielleicht aber auch seine Schwiegermutter, ist alles schon ein bisschen her, retten kann. Dann flieht man durch irgendwelche Katakomben respektive läuft komplett desorientiert zwischen dem Staatsoberhaupt und seinen angepissten Schergen hinterher und Überraschung, der König stirbt. Durch einen Hinterhalt, der dermaßen unspektakulär inszeniert ist, dass man sich augenblicklich wünscht, jedwede Spielefigur wäre von Nicolas Cage synchronisiert.

Kurz zuvor bekommt man aber noch einen komplett fadenscheinigen Auftrag bezüglich bereits erwähnten Familienmitglieds und dann ist man plötzlich allein in irgendwelchen Höhlengängen, die zumindest mich persönlich stark an den Darmtrakt von Mr. Slave aus South Park erinnern. Vollkommen ohne ersichtlichen Grund wird man willkürlich abwechselnd von Ratten oder komischen kleinen Gnomen angegriffen, die geistig so zurückgeblieben sind, dass sie einen auch dann nicht bemerken, wenn man direkt vor ihren Augen vorbeischleicht. Andererseits merkt man aber auch selbst nur dann, dass man angegriffen wird, wenn die Geräusche des Feindes irgendwann sehr auffällig werden. Ich persönlich habe mich mehrere Minuten lang gefragt, ob was mit meiner Gesundheitsanzeige nicht stimmt, bis sich herausstellte, dass hinter mir eine Ratte war. Die ich durch einen Schlag mit einem Schwert töten konnte. (Natürlich war ich mir unsicher, ob ich sie auch wirklich getroffen habe, denn neben dem sinnlosen Einsammeln von MÜLL scheint es der Entwickler außerdem noch für elementar wichtig zu halten, keinerlei Trefferfeedback an den Spieler zu übermitteln.)

Kaum war ich aus den Höhlen raus, im Gepäck fünftausend Kilo menschliche Knochen, die wahrscheinlich keinerlei spielerische Bewandnis haben, außer es gibt einen versteckten RTL-Messie-Team-Dungeon, habe ich das Experiment „Oblivion“ dann auch für beendet erklärt. Es macht keinen Spaß, es sieht hässlich aus und seit Beverly Hills 90210 gab es wohl keine Story mehr, die mich weniger interessiert hat. Oder um es mit den Worten eines Amazon-Users zu sagen: „Als mir die Story erklärt wurde dachte ich, die wollen mich verarschen!“

Bayern – ein Freistaat wie ein sekretbeflecktes Laken

Blablabla diesdas Einleitung rhabarber. So. Ich wollte mich eigentlich sehr ausführlich über das Spiel „Aufbruch Bayern“ auslassen, nachdem ich in der vergangenen Woche sowohl einen großartigen Artikel auf vice.com dazu gelesen habe (ich bin zu faul ihn zu verlinken, aber da ihr alle so Internetaffine Herzchen seid, findet ihr ihn bestimmt auch selbst) als auch das Game als solches gezockt habe. Ich hatte mir tatsächlich sogar Notizen gemacht und war wirklich motiviert. Wirklich richtig. Dann kam das Wochenende. Und diese 3 für 45 Euro Media Markt/Saturn Aktion. Und nun habe ich hier gar großartige Dinge (Batman Arkham City, GTA IV, Assassin’s Creed Brotherhood, 400g Hüftsteak) rumliegen und all das macht viel, viel mehr Spaß, als rhetorisch auf jemandem rumzutrampeln, der sowieso schon am Boden liegt. Das war eine Metapher.

Andererseits habe ich mich noch nie gescheut, auch tote Kühe durch’s Dorf zu treiben  – wohoo, Metapher-Massaker!! – und deshalb gibt es jetzt einen Text (wenig) und Screenshots (für diesen Blog überdurchschnittlich viele). Film Ab.

 

Bevor man überhaupt irgendetwas tun kann, muss man sich registrieren und dabei bereits einen Spielernamen festlegen. Ich entscheide mich für Obazda_Ottmar. Es erscheint mir angemessen. Warum ich mich anschließend trotzdem dafür entscheide, eine Frau zu spielen? Weil ich ein crazy Dude bin, ok?! Gibt es heutzutage überhaupt noch klare Geschlechtertrennungen? Ist das nicht vielleicht auch irgendwie diskriminierend? Und muss ein jeder aufgeklärter und moderner Bürger sich nach Alice Schwarzer nicht eigentlich ZWINGEND dafür entscheiden, die Frau zu wählen? Fragen, die mir vielleicht nur Bethesda beantworten kann, die Macher des furchtbaren Spiels der Welt: The Elder Scrolls – Oblivion. An deren Machwerk haben sich die Entwickler von „Aufbruch Bayern“ bezüglich der stark trisomiegefärbten Gesichtszüge der wählbaren Spielcharaktere offenkundig immens orientiert und eigentlich habe ich bereits zu diesem Zeitpunkt keine Lust mehr, weiterzuspielen. Warum ich es auch bei eben erwähntem Rollenspiel nie über die erste halbe Stunde hinaus ertragen habe, könnt ihr demnächst im Sonderblog „Warum Oblivion der Eichelkäse deines nach Masturbationsstrangulierungsunfällen querschnittsgelähmten Stiefvaters ist“ nachlesen.

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Eingangs wird man von der Schutzpatronin Bayerns, Bavaria, mit den debilsten Fragen aller Zeiten genervt und muss sich für ein allgemeines Wirkungsfeld entscheiden. Familie, Wissen oder Fortschritt. Dies wird absolut keinen Einfluss auf den späteren „Spielverlauf“ haben, aber das weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Kaum habe ich mich für „Das Buch des Wissens“ entschieden, sehe ich mich einem brüllenden Löwen ausgeliefert, der grundlos auf einer Brücke steht. Ich muss diese Brücke überqueren, um meinen inneren Gipfel zu stürmen (das ist das erklärte Ziel des Spiels. Irgendwie erinnert das alles an Selbstbefriedigung, aber sind Körpersekrete nicht irgendwie auch eine Allegorie auf Bayern?). Was also tun? Bavaria eilt zur Hilfe. Wieder werde ich vor die Wahl gestellt: Lenke ich ihn mit einem Löwenbaby ab, schlage ich in einem Löwenratgeber (!!!)  nach oder entkomme ich mit einem Hoverboat. Natürlich fällt die Entscheidung auf letzteres. Eine fatale Sekunde lang denke ich „Hey, wie cool wäre es jetzt, wenn ich dieses Board selbst steuern könnte und es so eine Art Mini-…“ – die kurze Animation ist vorbei.

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Mein supercooles Zukunftsgadget ist weg und der Löwe auch. Ich bin wieder allein, nur umgeben von sinnlosen Sim-Kristallen, die Studien- und Kitaplätze generieren und mich mit vermeintlichen Fun-Facts rund um den Freistaat versorgen. An dieser Stelle wird klar: Wer Bayern bisher nicht gehasst hat, tut es jetzt.

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Nach ganzen drei Minuten Spielzeit darf ich mich dann noch entscheiden, welches random Gebäude ich in die 25 cm lange Gamewelt bauen möchte und dann ist „Aufbruch Bayern“ auch schon vorbei. Ich fühle mich nicht so, als hätte ich meinen inneren Gipfel erklommen. Ich warte noch ab. Vielleicht passiert noch irgendetwas? Bavaria hilft nicht. Mein crazy Pumpspeicherkraftwerk pumpt unhörbar vor sich hin. Es ist still auf der Spitze dieses Berges. Ich schließe das Fenster, vergrabe mein Gesicht in den Händen und weine. Tränenlos.

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Wer wissen möchte, wie dieses wahnsinnig junge und wilde Computerspiel garantiert nicht ist, kann sich auch noch das Propagand.. Promovideo des Entwicklerteams angucken. Und zwar HIER.