T-Shirts, Tristesse und schlechte Alliterationen

Manche Dinge sollte man einfach mal machen. Zum Beispiel nach Jahren den alten Laptop aus dem Schrank ziehen und gucken, was da eigentlich alles so drauf ist. Neben der zutiefst verstörenden Erkenntnis, dass man sich damals anscheinend als Intimausschlags-Cosplayer auf die Straße gewagt hat (vielleicht löscht ihr eure alten Bilderordner auch einfach direkt, ohne auf die wahnsinnige Idee zu kommen einen Blick reinwerfen zu müssen), findet man manchmal aber auch längst verschollen geglaubte Kleinode wieder.

Es begab sich vor einigen Jahren, dass ich Vollzeit damit beschäftigt war, Texte zu schreiben. Wir saßen im Erdgeschoss und über uns wurden urbane Klamotten vertrieben, die Sentino Tränen der Andacht in die Augen getrieben hätten. Weil wir als Redakteure beim Füllen der Website natürlich nie genug zu tun hatten und unsere ausgedehnte Freizeit mit Dingen wie Nahrung zu sich nehmen oder in regelmäßigen Abständen die Toilette aufsuchen rumzukriegen versuchten, stieg eines Tages die Hoffnung auf ein besseres, produktiveres Leben aus dem ersten Stock herab. Mit einem Karton voller Marken-T-Shirts.

„Habt ihr Zeit? Könnt ihr da heute ein bisschen was für unseren Shop drüber schreiben?“, fragte die Lichtgestalt, die uns aus unserer Tristesse befreien wollte und mit glänzenden Augen willigten wir ein. Diese Produktbeschreibungsaufzeichnungen, zumindest die von mir, habe ich nun wiedergefunden und möchte sie an dieser Stelle mit euch teilen.

„Man denkt an England, man denkt an die königliche Familie und Camilla Parker-Bowles, man denkt an dieses Shirt. Mit nahezu royal anmutendem Print in Verbindung mit geschmackvollen Stickereien und trotzdem nicht aufdringlich präsentiert sich dieses Kleidungsstück aus 100 Prozent Baumwolle. Hip Hop und zugleich Queen Mum – was will man mehr?“

„Es ist schwierig geworden, heutzutage noch aufzufallen, hiermit schafft man es trotzdem. Die sowohl neonfarbene als auch expressionistische Graffiti-Optik dieses 100 Prozent Baumwolle-Shirts kann nur in’s Auge stechen. Weiterer Vorteil des knalligen Prints: ihr werdet, wenn ihr nachts die Straße überquert, nicht angefahren.“

„Die Bronx, irgendwann als Hip Hop noch lebte. Also, so richtig lebte. Ihr hört die sich nähernden Polizeisirenen, doch trotzdem macht ihr euer Tag noch souverän zu Ende, bevor ihr Bruce Willis-like von dannen rennt. Denn ihr seid cool. Zu diesem Feeling gibt es jetzt das passende Shirt mit fabelhaftem Aufdruck, das, man glaubt es kaum, auch noch aus 100 Prozent Baumwolle besteht. Es ist Graffiti, es ist Bronx und ihr könnt es auch sein!“

„Um die Spannung gleich rauszunehmen: dieses Shirt besteht wie nahezu alle hochwertigen ****-Produkte aus 100 Prozent Baumwolle. Der sich über die Brust erstreckende Aufdruck samt aufgenähten Lettern schmeichelt durch die harmonische Farbwahl aus Weiß, Gold, Silber und Grau dem Auge des geneigten Betrachters, doch es gibt noch mehr zu entdecken. So zum Beispiel dekorative Nähte und der verstärkte Nackenbereich. Für die ganz Harten unter euch.“

„Man denkt an langbeinige Schönheiten, Champagner und Pferde, wenn man dieses exorbitant geschmackvolle Polo-Hemd aus hundertprozentiger Baumwolle trägt. Braun und Weiß, eine der wohl zeitlosesten Farbkombinationen, gehen hier eine harmonische Verbindung ein mit großflächig aufgenähten Buchstaben, welche das Wort „Ecko“ bilden, samt bronzenen Nieten. Damit schleppt man auch Chiara Ohoven ab.“

„Als Rotgold, ja, beinahe Messing-haft möchte man den großzügig über die gesamte Front verteilten Schrift-Print bezeichnen. Von weitem wirkt dies nahezu arabesk, in jedem Fall sieht es nach Bling Bling aus und ist somit Hip Hop. Aufmerksamkeit der besonderen Art wird auch mit diesem 100 Prozent Baumwoll-Shirt dann zuteil, wenn ihr euch direkt in die Sonne stellt. Blinded by the light – probiert es aus!“

„Mädchen tragen Shirts mit Einhörnern, Jungs welche mit… Na? Richtig, Nashörnern und nackten Frauen. Ja, das passt fabelhaft zusammen, zumindest auf diesem Erzeugnis aus hundert Prozent Baumwolle. Der wertige Print in Lila, Grau, Hellblau und hellem Orange ist in jedem Fall ein Hingucker der besonderen Art. Titten, Tiere und der ****- Schriftzug: geil.“

„Diese Jacke mit beeindruckender Aufnähung ist schwer. Sehr schwer. Man könnte sich vorstellen, dass die Mafia ihre Schuldner in Zukunft mit diesem Hoodie in den Fluss wirft. Fifty Cent wäre mit dieser Oberbekleidung noch bullet proofer als sowieso schon. 100 Prozent Baumwolle, nur etwas für ganze Männer.“

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4 Gedanken zu „T-Shirts, Tristesse und schlechte Alliterationen

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