Wütende Kleinwüchsige in Aspik. Mit Senf.

Ich glaube es ist die Hölle, mit mir in einem Vortragsteam zu sein. Es reicht nicht, dass ich Dinge immer erst auf den letzten Drücker machen kann und  trotzdem alles genau so haben will, wie ich mir das gedacht habe (Gruppenarbeit ist für schwache Menschen. Evolutions-Versager, die alleine nicht durchsetzungs-, geschweige denn überlebensfähig wären). Nein, ungefähr fünf Tage vor dem Referatstermin setzt bei mir außerdem die „Ich beschäftige mich jetzt mehr als oberflächlich mit dem Thema, stelle fest, wie sehr ich es hasse und kriege zwei bis 15 Wutanfälle, die sich nur durch Alkohol, Zigaretten und Playstation-Geballere mindern lassen“-Phase ein. Was für meinen Vortragspartner bedeutet, dass ich sie, gerne auch mitten in der Nacht, mit wahnsinnig wütenden Whatsapp-Nachrichten abfucke.

Kennt ihr diese Szenen in irgendwelchen dramatischen Action-Filmen, wenn kurz bevor die außerirdische Bedrohung den letzten Rückzugspunkt der Menschheit erreicht, alle Zugänge geschlossen werden? Diese Tore, die mit einem lauten Knall zugehen und jeglichem feindlichen Feuer oder irgendwelchen Urzeitmonstern standhalten? Gut. Die außerirdische Bedrohung ist der Referatsstoff, die Menschheit mein Gehirn. Ich weigere mich, auch nur das kleinste Bisschen Information aufzunehmen, werde stattdessen immer wütender und trete bühenreif Dinge um, die zumeist auch noch eine Kettenreaktion der Zerstörung auslösen. Meistens endet das mit kaltem Kaffee auf meinem dunkelblauen Teppich.

Es ist nicht so, dass ich es nicht verstehen KANN. Wenn ich will, kann ich mir die absurdesten Zahlenkombinationen der Welt über Jahre hinweg merken. Wenn ich will, kann ich sämtliche random generierten WLAN-Schlüssel meiner ehemaligen Wohngelegenheiten aufzählen.  Ich will aber nicht.

Mittlerweile glaube ich, dass das „Brain Unlocked“-Schild erst dann wieder aufleuchtet, wenn eine angemessene Aufbereitung des vorzutragenden Themas zeitlich eigentlich gar nicht mehr möglich ist. Umso absurder eigentlich, dass es mir keinerlei Probleme bereitet, schon eine Woche vorher erste Designvorschläge für die PowerPoint-Präsentation auszuarbeiten. Womöglich schlummert tief in mir eine Künstlerseele, die nur darauf wartet, ihr hässliches Haupt aus den Tiefen meines feisten Leibes zu erheben.

Eine Ausnahme des beschriebenen Wutstufen-Ablaufes wäre vielleicht dann denkbar, wenn das Thema direkt meinem Leben entnommen ist respektive auf den Punkt genau persönliche Interessen von mir trifft. Da ich bisher allerdings noch kein Referat über Alkoholmissbrauch oder Aggressionsprobleme mit eklatant häufig auftretenden Tobsuchtsanfällen halten durfte, bleibt dies eine reine Hypothese.

Tofu, das Oblivion der Nahrungsmittelindustrie

Ich habe mir Tofu gekauft. Ein Satz, der ähnlich unheilschwanger und, jetzt weiß auch ich es besser, DUMM klingt wie „Hey, ich glaube ich gehe diesen nach einem brutalen Kettensägenmord klingenden Geräuschen nach“ oder „Wir sind hilflose, unbewaffnete Cheerleaderinnen. Warum teilen wir uns nicht auf und erkunden die gruselige Hütte im Wald alleine?“. Nach mehrminütigem fassungslosen Schweigen wird sich euch die Frage nach dem Warum stellen. Nun denn.

Ich dachte es wäre irgendwie cool und gesund und würde meine tierliebende Ader unterstreichen, wenn ich weniger Fleisch esse. Da ich momentan auf der „Ich nehme Kohlenhydrate nur noch in flüssiger Form zu mir“-Diät bin, ist das Nahrungsangebot als solches relativ beschränkt und weil Tofu außerdem den Cholesterinwert im Körper nicht erhöht, dachte ich irgendwie, es wäre eine gute Idee. Ich mariniere den Tofu also ausgiebig und selbstsicher. Ich brate ihn und freue mich richtiggehend auf diesen vermeintlichen Fleischersatzstoff. (An dieser Stelle muss eingeworfen werden:  NICHTS kann Fleisch ersetzen. Fleisch schmeckt wundervoll. Besonders blutig. Ich würde mein Erstgeborenes gegen ein Rinderfilet-Bündel des gleichen Gewichts eintauschen und es nicht eine Sekunde bereuen.) Ich richte den goldbraunen Tofu an Rucola-Salat mit Tomaten an, nehme einen Bissen und habe das Gefühl, mit meiner Zunge in einer Endlosschleife „The Elder Scrolls Teil 1 bis Fünfmillionen“ gefangen zu sein. Es ist widerlich. Nein, es ist grotesk.

Während ich also an meinem pseudoveganen Gutmenschentum würgend die 240 Euro Neben- und Energiekostenachzahlung überweise, fällt mir außerdem auf, dass ich aus unerfindlichen Gründen getrocknetes Blut an der Hand habe, und obwohl heute sogar mein eines Seminar ausgefallen ist, hasse ich diesen Tag.

Was ich außerdem hasse: Musikreviews schreiben. (Entschuldigt, das war der Gerhard Delling in mir) Wer diesbezüglich mehr erfahren möchte, klickt einfach auf untenstehendes Bild und liest den Artikel, den ich für Noisy aka die Musikseite von vice.com geschrieben habe.

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Nach Schmerzmittel/Hustensaft-Überdosis: unfertige Gedanken über das Schreiben.

Früher war alles mal einfacher. Und wenn ich früher meine, spreche ich nicht von dem Teil der Neunziger, als Torch und Mola Adebisi noch irgendeine popkulturelle Relevanz hatten. Ich spreche von dem Part meines Lebens, in dem ich tatsächlich noch hauptberuflich geschrieben habe. (Und nein. Damit meine ich nicht nur rap.de, tatsächlich war ich auch schon bei Institutionen täglich, die sogar eure Eltern lesen, aber vielleicht geht es euch auch einfach nichts an.) Da war eine leere Seite nichts, wovor man sich gefürchtet hat. Da hat man einfach angefangen zu tippen und Worte sind wie… Menstruationsblut aus einem rausgeflossen und irgendwie hatte man teilweise Unterleibskrämpfe deswegen, an sich wusste man aber: es ist etwas Natürliches. Nachdem ich mich bereits jetzt komplett in diese Scheiß-Metapher verstrickt habe, fange ich einfach nochmal neu an.

Ich glaube jeder kennt diese Zeitspanne, in der er weiß dieses und jenes jetzt erledigen zu müssen, aber er fühlt sich wie gelähmt und starrt lieber stundenlang vor sich hin, als tatsächlich anzufangen. Früher hatte ich das bei Dingen, auf die ich einfach absolut keine Lust hatte. Jetzt habe ich es bei allem. Wenn ich momentan versuche irgendetwas festzuhalten, und sei es nur ein popeliger Blogeintrag, den nur Leute lesen, weil sie wie Lichtjunkie-Fliegen haltlos von meinen komplett wahnsinnigen Überschriften angezogen werden, fühle ich mich wie DJ Bobo. DJ Bobo, der auf der Wiesn von einer Bierfass-Kutsche überrollt wurde, seitdem von den Knien abwärts Krüppel ist und deshalb nicht mehr Tanzen kann. Ich glaube, die Bierfass-Kutsche ist eine Allegorie auf meinen Kopf.

Jeder schreibt ein Buch und auch ich sollte es tun, denke ich mir. Nicht, weil ich gelangweilt bin. Nicht nur, weil jeder Geld brauchen kann und ich ganz besonders. Einfach, weil ich es könnte. Das ist keine Arroganz, das ist eine ganz realistische Einschätzung. Ich schaffe es problemlos, drei durchschnittlich dicke Bücher in der Woche zu lesen und wann immer ich was Neues im Schrank habe, tue ich das auch. Von behinderter Frauenlektüre bis hin zu hochintellektuellen Abhandlungen über das Leben von Galilei habe ich ungefähr ALLES und somit auch ein recht gutes Empfinden für Sprache und wie man mit ihr umgehen sollte. Auf meiner externen Festplatte befinden sich unzählige Textleichen, die ich irgendwann mal angefangen habe – in der Hoffnung, daraus würde mehr werden. Teilweise eine halbe, ab und an auch mal zehn Seiten Worddokumente liegen da rum und wurden seit Jahren nicht mehr fortgesetzt. Und ich sage mal ganz unbescheiden: jede einzelne fickt diesen ganzen Haufen „American Psycho“-Abklatschliteratur krass in den Arsch.

Ich setze mich also an meinen Laptop, habe ein komplettes Buch im Kopf, fange an zu tippen und dann kommt diese Bierfass-Kutsche und urplötzlich bin ich im Krankenhaus und jemand schenkt mir „Der Pferdeflüsterer“ in der Hoffnung, die Geschichte von dem Amputationsmädchen würde mich in meinem Lebenswillen irgendwie bestärken. Mit zitternder Unterlippe, aber doch voller Mut und starkem Blick in die Zukunft werde ich nicken. Der Besuch zieht erleichtert wieder ab und ich setze meine kaputten WeSC-Kopfhörer auf, schalte den iPod ein und höre DAS.

Oblivion – eine Mischung aus Beverly Hills 90210 und Human Centipede 2

Ich habe es des Öfteren versprochen. Ihr habt nicht darauf gewartet. Aber das macht nichts. Es ist soweit, Wahrheit wird verkündet. Ich erzähle euch, warum „Oblivion“ aus der Elder Scrolls Reihe (das habe ich jetzt nicht in Anführungszeichen geschrieben? Warum? Das werdet ihr nie erfahren. Womöglich möchte ich unberechenbar und wild wirken) das schlechteste Spiel aller Zeiten ist. An anderer Stelle wiederum werde ich euch das beste Spiel der Welt neben „Red Dead Redemption“, „Barbies Zauberhafte Pferdewelt“, vorstellen, aber das hat noch Zeit.

Tatsächlich wollte ich „Oblivion“ noch eine Chance geben, mich in letzter Sekunde doch noch vom Gegenteil zu überzeugen und dachte mir „Hey, vielleicht einfach noch mal reinspielen!“ – betont euphemistisch fasse ich die drei Sekunden, in denen ich darüber nachgedacht habe, in einen fiktiven Ausruf. Ich nahm also die Hülle, öffnete sie, während ein buckliger Hofnarr, mit fidel strampelnden, bestrumpften Beinchen auf dem Fensterbrett sitzend, orchestrale Musik auf seiner Blockflöte einspielte, und fand sie leer vor. Gefühlte fünfeinhalb Stunden später hatte ich die CD-ROM immer noch nicht gefunden, dafür aber einige andere interessante Dinge über mein Leben (ich besitze anscheinend eine Ferris MC Maxi-CD) heraus- sowie „Age Of Empires II“ und „Gothic 3“ wiedergefunden. Ihr seht also: ich habe mein Möglichstes getan, es soll aber einfach nicht sein. Dementsprechend gibt es keine Screenshots, keine topaktuelle Echtzeit-Meinungsbildung im Quasi-Liveticker und ich werde auch nicht der Béla Réthy des unbezahlten Videospiele-Privatjournalismus sein.

Dass meine Meinung nichtsdestotrotz mehr als begründet ist, versteht sich aber von selbst. Der Hass und das Unverständnis, ja, fast möchte ich sagen DER SCHMERZ über die Behindertness dieses Spiels sind immer noch frisch. Wären sie eine Wunde, hätte sich noch kein trockener Schorf gebildet. Das Übel beginnt bereits mit einem Menü, was an Hässlichkeit seinesgleichen sucht. An dieser Stelle möchte ich ERNEUT eine Lanze für „Barbies Zauberhafte Pferdewelt“ brechen. Das erschien nämlich 1998 und selbst das sieht besser aus. Weil ich aber zehn Euro für den Scheiß ausgegeben hatte und „Oblivion“ außerdem vor nicht allzu ewiger Zeit von der asthmatischen Hauskatze deiner Mutter zum „Spiel des Jahres“ gekrönt wurde, war meine Hoffnung noch nicht vollends abgekratzt. Sie spuckte aber schon etwas Blut.

„Zumindest die Story muss doch geil sein“, dachte ich mir, hoffnungslos Bioware-verwöhnt und entgegen der normalen Elder Scrolls-Käuferschaft im Vollbesitz meiner geistigen und intellektuellen Fähigkeiten. Bevor auch diese letzte, lächerlich naive Annahme pulverisiert wurde, hatte ich mich bereits an der Erstellung meines Spielecharakters versucht. Ein Unterfangen, was an Lächerlichkeit kaum zu überbieten war, da es offenkundig von den Machern gar nicht gewollt ist, ein menschenähnliches… Wesen zu konfigurieren – selbst irgendwelche grünen Echsenfantasiewesen, die ebenfalls zur Wahl standen, sahen einer tatsächlich existenzfähigen Lebensform ähnlicher.

Nachdem man sich also schon vor Beginn des tatsächlichen Games zu Tode geärgert hat, wacht man in einer Gefängniszelle auf. Als wäre es nicht schon genug, dass man aussieht wie ein Arschkomparse aus „Human Centipede 2“, wird einem auch zu keinem Zeitpunkt erklärt, warum das eigentlich so ist, geschweige denn WER man eigentlich ist. Stattdessen kommt ein offensichtlich  hart auf Halluzinogenen hängengebliebener König, der vollkommen wirre Scheiße von einem Traum faselt. Anscheinend kam man in ebenjenem vor und sei der Einzige, der ihn oder seinen Sohn, vielleicht aber auch seine Schwiegermutter, ist alles schon ein bisschen her, retten kann. Dann flieht man durch irgendwelche Katakomben respektive läuft komplett desorientiert zwischen dem Staatsoberhaupt und seinen angepissten Schergen hinterher und Überraschung, der König stirbt. Durch einen Hinterhalt, der dermaßen unspektakulär inszeniert ist, dass man sich augenblicklich wünscht, jedwede Spielefigur wäre von Nicolas Cage synchronisiert.

Kurz zuvor bekommt man aber noch einen komplett fadenscheinigen Auftrag bezüglich bereits erwähnten Familienmitglieds und dann ist man plötzlich allein in irgendwelchen Höhlengängen, die zumindest mich persönlich stark an den Darmtrakt von Mr. Slave aus South Park erinnern. Vollkommen ohne ersichtlichen Grund wird man willkürlich abwechselnd von Ratten oder komischen kleinen Gnomen angegriffen, die geistig so zurückgeblieben sind, dass sie einen auch dann nicht bemerken, wenn man direkt vor ihren Augen vorbeischleicht. Andererseits merkt man aber auch selbst nur dann, dass man angegriffen wird, wenn die Geräusche des Feindes irgendwann sehr auffällig werden. Ich persönlich habe mich mehrere Minuten lang gefragt, ob was mit meiner Gesundheitsanzeige nicht stimmt, bis sich herausstellte, dass hinter mir eine Ratte war. Die ich durch einen Schlag mit einem Schwert töten konnte. (Natürlich war ich mir unsicher, ob ich sie auch wirklich getroffen habe, denn neben dem sinnlosen Einsammeln von MÜLL scheint es der Entwickler außerdem noch für elementar wichtig zu halten, keinerlei Trefferfeedback an den Spieler zu übermitteln.)

Kaum war ich aus den Höhlen raus, im Gepäck fünftausend Kilo menschliche Knochen, die wahrscheinlich keinerlei spielerische Bewandnis haben, außer es gibt einen versteckten RTL-Messie-Team-Dungeon, habe ich das Experiment „Oblivion“ dann auch für beendet erklärt. Es macht keinen Spaß, es sieht hässlich aus und seit Beverly Hills 90210 gab es wohl keine Story mehr, die mich weniger interessiert hat. Oder um es mit den Worten eines Amazon-Users zu sagen: „Als mir die Story erklärt wurde dachte ich, die wollen mich verarschen!“

Bayern – ein Freistaat wie ein sekretbeflecktes Laken

Blablabla diesdas Einleitung rhabarber. So. Ich wollte mich eigentlich sehr ausführlich über das Spiel „Aufbruch Bayern“ auslassen, nachdem ich in der vergangenen Woche sowohl einen großartigen Artikel auf vice.com dazu gelesen habe (ich bin zu faul ihn zu verlinken, aber da ihr alle so Internetaffine Herzchen seid, findet ihr ihn bestimmt auch selbst) als auch das Game als solches gezockt habe. Ich hatte mir tatsächlich sogar Notizen gemacht und war wirklich motiviert. Wirklich richtig. Dann kam das Wochenende. Und diese 3 für 45 Euro Media Markt/Saturn Aktion. Und nun habe ich hier gar großartige Dinge (Batman Arkham City, GTA IV, Assassin’s Creed Brotherhood, 400g Hüftsteak) rumliegen und all das macht viel, viel mehr Spaß, als rhetorisch auf jemandem rumzutrampeln, der sowieso schon am Boden liegt. Das war eine Metapher.

Andererseits habe ich mich noch nie gescheut, auch tote Kühe durch’s Dorf zu treiben  – wohoo, Metapher-Massaker!! – und deshalb gibt es jetzt einen Text (wenig) und Screenshots (für diesen Blog überdurchschnittlich viele). Film Ab.

 

Bevor man überhaupt irgendetwas tun kann, muss man sich registrieren und dabei bereits einen Spielernamen festlegen. Ich entscheide mich für Obazda_Ottmar. Es erscheint mir angemessen. Warum ich mich anschließend trotzdem dafür entscheide, eine Frau zu spielen? Weil ich ein crazy Dude bin, ok?! Gibt es heutzutage überhaupt noch klare Geschlechtertrennungen? Ist das nicht vielleicht auch irgendwie diskriminierend? Und muss ein jeder aufgeklärter und moderner Bürger sich nach Alice Schwarzer nicht eigentlich ZWINGEND dafür entscheiden, die Frau zu wählen? Fragen, die mir vielleicht nur Bethesda beantworten kann, die Macher des furchtbaren Spiels der Welt: The Elder Scrolls – Oblivion. An deren Machwerk haben sich die Entwickler von „Aufbruch Bayern“ bezüglich der stark trisomiegefärbten Gesichtszüge der wählbaren Spielcharaktere offenkundig immens orientiert und eigentlich habe ich bereits zu diesem Zeitpunkt keine Lust mehr, weiterzuspielen. Warum ich es auch bei eben erwähntem Rollenspiel nie über die erste halbe Stunde hinaus ertragen habe, könnt ihr demnächst im Sonderblog „Warum Oblivion der Eichelkäse deines nach Masturbationsstrangulierungsunfällen querschnittsgelähmten Stiefvaters ist“ nachlesen.

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Eingangs wird man von der Schutzpatronin Bayerns, Bavaria, mit den debilsten Fragen aller Zeiten genervt und muss sich für ein allgemeines Wirkungsfeld entscheiden. Familie, Wissen oder Fortschritt. Dies wird absolut keinen Einfluss auf den späteren „Spielverlauf“ haben, aber das weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Kaum habe ich mich für „Das Buch des Wissens“ entschieden, sehe ich mich einem brüllenden Löwen ausgeliefert, der grundlos auf einer Brücke steht. Ich muss diese Brücke überqueren, um meinen inneren Gipfel zu stürmen (das ist das erklärte Ziel des Spiels. Irgendwie erinnert das alles an Selbstbefriedigung, aber sind Körpersekrete nicht irgendwie auch eine Allegorie auf Bayern?). Was also tun? Bavaria eilt zur Hilfe. Wieder werde ich vor die Wahl gestellt: Lenke ich ihn mit einem Löwenbaby ab, schlage ich in einem Löwenratgeber (!!!)  nach oder entkomme ich mit einem Hoverboat. Natürlich fällt die Entscheidung auf letzteres. Eine fatale Sekunde lang denke ich „Hey, wie cool wäre es jetzt, wenn ich dieses Board selbst steuern könnte und es so eine Art Mini-…“ – die kurze Animation ist vorbei.

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Mein supercooles Zukunftsgadget ist weg und der Löwe auch. Ich bin wieder allein, nur umgeben von sinnlosen Sim-Kristallen, die Studien- und Kitaplätze generieren und mich mit vermeintlichen Fun-Facts rund um den Freistaat versorgen. An dieser Stelle wird klar: Wer Bayern bisher nicht gehasst hat, tut es jetzt.

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Nach ganzen drei Minuten Spielzeit darf ich mich dann noch entscheiden, welches random Gebäude ich in die 25 cm lange Gamewelt bauen möchte und dann ist „Aufbruch Bayern“ auch schon vorbei. Ich fühle mich nicht so, als hätte ich meinen inneren Gipfel erklommen. Ich warte noch ab. Vielleicht passiert noch irgendetwas? Bavaria hilft nicht. Mein crazy Pumpspeicherkraftwerk pumpt unhörbar vor sich hin. Es ist still auf der Spitze dieses Berges. Ich schließe das Fenster, vergrabe mein Gesicht in den Händen und weine. Tränenlos.

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Wer wissen möchte, wie dieses wahnsinnig junge und wilde Computerspiel garantiert nicht ist, kann sich auch noch das Propagand.. Promovideo des Entwicklerteams angucken. Und zwar HIER.

Sie haben keine Hornhautreibe? Fragen Sie doch Ihren behinderten Schwippschwager!

Hello.

Manchmal ist einen Blog zu unterhalten wie eine Schwangerschaft. Man ist ständig schlecht gelaunt, man schwört sich, weniger Alkohol zu trinken und mit dem Rauchen aufzuhören… Eigentlich ist mein komplettes Leben wie eine Schwangerschaft. Vergessen wir also diese unpassende Metapher und widmen uns wichtigerem. Der Gamescom. Ja, ist schon zwei Wochen her, fast, bald, ziemlich genau? Aber: sonst passiert nichts in meinem Leben und mit Menopause-artigen Stimmungsschwankungen und Gefühlsausbrüchen will ich euch ja nun auch nicht quälen. Zumindest nicht ausschließlich.

Wir, das umfasst die zauberhafte J. und ich, waren also in Köln zugegen und haben gearbeitet. Ja, haben wir wirklich. Wir waren in journalistischer Mission unterwegs und die Clean-Version unserer Erlebnisse könnt ihr HIER (http://www.rap.de/blogs/userblogs/entry/lisa-bloggt-live-und-direkt-von-der-gamescom) lesen. Die vollkommen willkürliche Groß- und Kleinschreibung resultiert übrigens aus einer wilden Kombination aus Dinge auf dem Handy tippen, per E-Mail weiterleiten und von anderen, ebenfalls sehr gestressten Leuten ins Blogsystem einpflegen lassen. Aber wir sind im Internet. Rechtschreibung und derlei Firlefanzereien interessieren da ja sowieso niemanden, außer sie haben im weitesten Sinne irgendetwas mit Tentakelsex zu tun. Highlight meines Live-Blogs ist zweifelsohne das schlechteste Handyvideo aller Zeiten, welches auf Youtube mit Sätzen wie „was soll der scheiß, alter“ bedacht wurde. Wäre ich nicht absolut kritikunfähig, würde ich sagen „Zu recht“, da ich es aber bin: HALT DIE FRESSE DU BEHINDERTES EURYTHMIEGESICHT UND SCHAB DEINER TRISOMIE-MUTTER WEITER MIT DEN ZÄHNEN DIE HORNHAUT VON DEN FÜSSEN! So.

Die Uncut- respektive Alkoholikers Cut-Version unseres fünftägigen Kölnaufenthalts gibt es in jedem Fall jetzt und hier.

Mittwoch:

Nach einer Odyssee des absoluten Grauens kamen wir irgendwann am Kölner Messegelände an und erhustleten uns eine weitere Presseakkreditierung. Wir wollten das bewusst nicht im Vorfeld klären, weil wir einfach die Jason Stathams des Akkreditierungs-Adrenalinrausches sind und zusätzlich dazu auch noch coldblooded motherfucker. J. war in den kommenden Tagen offizielle Mitarbeiterin von Ubisoft und machte TROTZDEM Fotos für rap.de. Diese Bildergalerie ist bisher zwar noch nicht online gegangen, wir sind aber frohen Mutes, dass dies noch passieren wird. Nach ersten beruflichen Terminen, die hier nicht weiter von Interesse sind, weil sie keine alkoholischen oder sexuellen Ausschweifungen enthalten, begaben wir uns erstmalig ins Hotel. Unser Hotel. Auf der Domplatte. In meinem ganzen Leben fühlte ich mich nicht so fancy und dieses Gefühl hielt in den kommenden Tagen auch dann noch an, wenn ich mich bestrumpft und schwankend als 100 Faces of Meth-Cosplayer durch die Lobby schleppte.

Die Abendgestaltung bestand aus einer allesistumsonst Game Release Party, namentlich der von Far Cry 3, und entgegen unserer Vorahnung waren wir absolut overdressed. Die folgenden Ereignisse kommen mir im Nachhinein etwas unzusammenhängend und mitunter auch absolut schwachsinnig vor, tatsächlich enthielten sie aber jede Menge Rum, dramatische Liebesgeschichten mit jeder Menge Leidenschaft, Kunstblut und Gewalt zwischen J. und einem österreichischen Brillenträger, den wir an dieser Stelle aus Anonymitätsgründen einfach nur „Toph“ nennen wollen, sowie viel langweiliger Musik. Spätestens als ich mit fünf Litern Kunstblut im Dekollete und ohne Schuhe im Regen stand und rauchte, war klar: Wir sollten jetzt vielleicht mal gehen. Folgendes Bild fasst den Abend vielleicht ganz gut zusammen:

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Donnerstag:

Restbetrunken auf Pressetermine gehen, bei denen einem neue Spiele vorgestellt werden, klingt spaßiger, als es ist. Wirklich. Am Abend waren wir dann allerdings wieder soweit auf dem Damm, dass wir es guten Gewissens auf uns nehmen konnten, noch mehr zu trinken und bis morgens, 7.30 Uhr, auf einer Parkbank vor einem Kölner LIDL-Discounter rumzuhängen. Stunden zuvor hatte ich mich bis aufs Blut mit einem Bekannten eines Bekannten von J. gestritten, kann aber beim besten Willen nicht rekonstruieren, wie es dazu kam. Bestimmt hatte er mich provoziert.

Freitag:

Ich habe schon jetzt keine Lust mehr, diesen Blogeintrag weiterzuführen und poste deshalb willkürlich Bilder. Was wir Freitag gemacht haben, könnt ihr dem rap.de-Artikel entnehmen, ihr faulen Schweine.

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Samstag:

Ein letztes Mal mit blutigen Füßen über die Messe stolpern. Sich von maskulinen Egoshooterboys Gratis-Shirts ergaunern und sich auf das große Abschlussbesäufnis am Sonystand freuen. Ein Auf und Ab der Gefühle, dass uns vollkommen entkräftete Zombies am Leben gehalten hat. Im verzweifelten Versuch das letzte bisschen Restseriösität nach Außen zu tragen, entschied ich mich beim Abendoutfit für einen halblangen Pullover – bei über 30 Grad Außentemperatur ein nahezu heroisches wenn nicht sogar komplett wahnsinniges Unterfangen. 15 Bier später tat ich dann das, was ich immer tue, wenn das flüssige Gold in Bächen fließt und ich ein bisschen gut gelaunt bin: mehr oder minder fremden Menschen Gespräche aufzwingen, Vorbeigehende beim Ausführen komplizierter und ausgefeilter Dancemoves ausversehen schlagen und als einzige Person im Umkreis von tausend Metern komplett ausrasten, wenn A Tribe Called Quest läuft.

Bringen wir das Ganze zu einem schnellen Ende: Es war schön. Es war anstrengend. Mein Hautbild ist komplett zerstört und ich wünsche mir eine erotische Liaison in Kunstblut.

Kame Hame Ha! (Ich hoffe das in irgendeinem autarken Kleinstaat als offizielle Verabschiedungsform zu etablieren.)

Mit Falco gegen die Gentrifizierung

Ich sitze in meiner stockdunklen Wohnung auf der Couch und versuche mich durch das Gucken von HerrTutorial-Youtubevideos umzubringen. „Warum?“ werdet ihr euch zu Recht fragen. Und natürlich werde ich euch diese Frage beantworten. Entgegen erster Mutmaßungen die mich via Flaschenpost aus meinem Eisfach erreicht haben, liegt es nicht daran, dass mir meine absurd ausgeprägten Nasolabialfalten erst jetzt aufgefallen sind. Stattdessen habe ich, wie ich es an vielen Sonntagen tue, meine Falco-Best Of CD in die Anlage geschmissen und sehr laut und euphorisch mitgesungen. Vielleicht war auch allgemeiner Weltschmerz in meiner Stimme. Tatsächlich klang ich aber, als hätte ich seit meiner Geburt nichts anderes als Whiskey zu mir genommen und wäre hauptberuflicher Cowboy (aber nicht so Brokeback Mountain mäßig. Mehr John Marston. Mit Narbe und übermenschlicher Coolness. Außerdem hätte ich ein Pferd namens „Ichi The Killer“. Aber das ist eine andere Geschichte).

Ich steppe also zu „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ mit spektakulären Dancemoves und Whoopie Goldberg gleicher Stimme durch die Wohnung, als mein Blick auf das Fenster fällt. Das einzige Fenster in meinem Wohnzimmer Schrägstrich einzigem Zimmer. Das sehr weit offen stehende Fenster zum Hinterhof.

Meine Nachbarn haben schon sehr viel von mir gehört und gesehen. Sehr. Viel. Das wiederum beruht auf Gegenseitigkeit und ich werde nie den Moment vergessen, als mein Bruce Willis Nachbar nackt und mit Erektion in seinem flackernd beleuchteten Bad stand. Nichtsdestotrotz hatte ich bisher schon das Gefühl, dass ich im Hausflur immer nur sehr zurückhaltend gegrüßt werde und spätestens ab morgen dann wahrscheinlich auch gar nicht mehr. Ich erwarte mit zitternden Händen und hysterischem Lachen einen Brief meiner Hausverwaltung. Die Mieterhöhung lässt sowieso schon überraschend lange auf sich warten. HEY, GENTRIFIZIERUNG!

Abschließend binde ich nun Videos ein. Interviewvideos. Da sie sehr zeitlos sind, bin ich mir auch jetzt noch nicht zu schade, sie weiterhin jedem aufzudrängen. Und da ihr meinen Blog lest, seid ihr quasi selbst schuld. Ihr könnt euch revanchieren, in dem ihr Kommentare verfasst, in denen ihr euch darüber echauffiert, dass sich niemand für Brüste, Gewalt und Drogen interessiert und die gestellten Fragen somit die schlechtesten der Welt sind. Bitte tut es. Das sind nämlich die Dinge, die mich wirklich glücklich machen. Neben Falco. Und Ponies.

Ahoi.