Oblivion – eine Mischung aus Beverly Hills 90210 und Human Centipede 2

Ich habe es des Öfteren versprochen. Ihr habt nicht darauf gewartet. Aber das macht nichts. Es ist soweit, Wahrheit wird verkündet. Ich erzähle euch, warum „Oblivion“ aus der Elder Scrolls Reihe (das habe ich jetzt nicht in Anführungszeichen geschrieben? Warum? Das werdet ihr nie erfahren. Womöglich möchte ich unberechenbar und wild wirken) das schlechteste Spiel aller Zeiten ist. An anderer Stelle wiederum werde ich euch das beste Spiel der Welt neben „Red Dead Redemption“, „Barbies Zauberhafte Pferdewelt“, vorstellen, aber das hat noch Zeit.

Tatsächlich wollte ich „Oblivion“ noch eine Chance geben, mich in letzter Sekunde doch noch vom Gegenteil zu überzeugen und dachte mir „Hey, vielleicht einfach noch mal reinspielen!“ – betont euphemistisch fasse ich die drei Sekunden, in denen ich darüber nachgedacht habe, in einen fiktiven Ausruf. Ich nahm also die Hülle, öffnete sie, während ein buckliger Hofnarr, mit fidel strampelnden, bestrumpften Beinchen auf dem Fensterbrett sitzend, orchestrale Musik auf seiner Blockflöte einspielte, und fand sie leer vor. Gefühlte fünfeinhalb Stunden später hatte ich die CD-ROM immer noch nicht gefunden, dafür aber einige andere interessante Dinge über mein Leben (ich besitze anscheinend eine Ferris MC Maxi-CD) heraus- sowie „Age Of Empires II“ und „Gothic 3“ wiedergefunden. Ihr seht also: ich habe mein Möglichstes getan, es soll aber einfach nicht sein. Dementsprechend gibt es keine Screenshots, keine topaktuelle Echtzeit-Meinungsbildung im Quasi-Liveticker und ich werde auch nicht der Béla Réthy des unbezahlten Videospiele-Privatjournalismus sein.

Dass meine Meinung nichtsdestotrotz mehr als begründet ist, versteht sich aber von selbst. Der Hass und das Unverständnis, ja, fast möchte ich sagen DER SCHMERZ über die Behindertness dieses Spiels sind immer noch frisch. Wären sie eine Wunde, hätte sich noch kein trockener Schorf gebildet. Das Übel beginnt bereits mit einem Menü, was an Hässlichkeit seinesgleichen sucht. An dieser Stelle möchte ich ERNEUT eine Lanze für „Barbies Zauberhafte Pferdewelt“ brechen. Das erschien nämlich 1998 und selbst das sieht besser aus. Weil ich aber zehn Euro für den Scheiß ausgegeben hatte und „Oblivion“ außerdem vor nicht allzu ewiger Zeit von der asthmatischen Hauskatze deiner Mutter zum „Spiel des Jahres“ gekrönt wurde, war meine Hoffnung noch nicht vollends abgekratzt. Sie spuckte aber schon etwas Blut.

„Zumindest die Story muss doch geil sein“, dachte ich mir, hoffnungslos Bioware-verwöhnt und entgegen der normalen Elder Scrolls-Käuferschaft im Vollbesitz meiner geistigen und intellektuellen Fähigkeiten. Bevor auch diese letzte, lächerlich naive Annahme pulverisiert wurde, hatte ich mich bereits an der Erstellung meines Spielecharakters versucht. Ein Unterfangen, was an Lächerlichkeit kaum zu überbieten war, da es offenkundig von den Machern gar nicht gewollt ist, ein menschenähnliches… Wesen zu konfigurieren – selbst irgendwelche grünen Echsenfantasiewesen, die ebenfalls zur Wahl standen, sahen einer tatsächlich existenzfähigen Lebensform ähnlicher.

Nachdem man sich also schon vor Beginn des tatsächlichen Games zu Tode geärgert hat, wacht man in einer Gefängniszelle auf. Als wäre es nicht schon genug, dass man aussieht wie ein Arschkomparse aus „Human Centipede 2“, wird einem auch zu keinem Zeitpunkt erklärt, warum das eigentlich so ist, geschweige denn WER man eigentlich ist. Stattdessen kommt ein offensichtlich  hart auf Halluzinogenen hängengebliebener König, der vollkommen wirre Scheiße von einem Traum faselt. Anscheinend kam man in ebenjenem vor und sei der Einzige, der ihn oder seinen Sohn, vielleicht aber auch seine Schwiegermutter, ist alles schon ein bisschen her, retten kann. Dann flieht man durch irgendwelche Katakomben respektive läuft komplett desorientiert zwischen dem Staatsoberhaupt und seinen angepissten Schergen hinterher und Überraschung, der König stirbt. Durch einen Hinterhalt, der dermaßen unspektakulär inszeniert ist, dass man sich augenblicklich wünscht, jedwede Spielefigur wäre von Nicolas Cage synchronisiert.

Kurz zuvor bekommt man aber noch einen komplett fadenscheinigen Auftrag bezüglich bereits erwähnten Familienmitglieds und dann ist man plötzlich allein in irgendwelchen Höhlengängen, die zumindest mich persönlich stark an den Darmtrakt von Mr. Slave aus South Park erinnern. Vollkommen ohne ersichtlichen Grund wird man willkürlich abwechselnd von Ratten oder komischen kleinen Gnomen angegriffen, die geistig so zurückgeblieben sind, dass sie einen auch dann nicht bemerken, wenn man direkt vor ihren Augen vorbeischleicht. Andererseits merkt man aber auch selbst nur dann, dass man angegriffen wird, wenn die Geräusche des Feindes irgendwann sehr auffällig werden. Ich persönlich habe mich mehrere Minuten lang gefragt, ob was mit meiner Gesundheitsanzeige nicht stimmt, bis sich herausstellte, dass hinter mir eine Ratte war. Die ich durch einen Schlag mit einem Schwert töten konnte. (Natürlich war ich mir unsicher, ob ich sie auch wirklich getroffen habe, denn neben dem sinnlosen Einsammeln von MÜLL scheint es der Entwickler außerdem noch für elementar wichtig zu halten, keinerlei Trefferfeedback an den Spieler zu übermitteln.)

Kaum war ich aus den Höhlen raus, im Gepäck fünftausend Kilo menschliche Knochen, die wahrscheinlich keinerlei spielerische Bewandnis haben, außer es gibt einen versteckten RTL-Messie-Team-Dungeon, habe ich das Experiment „Oblivion“ dann auch für beendet erklärt. Es macht keinen Spaß, es sieht hässlich aus und seit Beverly Hills 90210 gab es wohl keine Story mehr, die mich weniger interessiert hat. Oder um es mit den Worten eines Amazon-Users zu sagen: „Als mir die Story erklärt wurde dachte ich, die wollen mich verarschen!“

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