Mit Falco gegen die Gentrifizierung

Ich sitze in meiner stockdunklen Wohnung auf der Couch und versuche mich durch das Gucken von HerrTutorial-Youtubevideos umzubringen. „Warum?“ werdet ihr euch zu Recht fragen. Und natürlich werde ich euch diese Frage beantworten. Entgegen erster Mutmaßungen die mich via Flaschenpost aus meinem Eisfach erreicht haben, liegt es nicht daran, dass mir meine absurd ausgeprägten Nasolabialfalten erst jetzt aufgefallen sind. Stattdessen habe ich, wie ich es an vielen Sonntagen tue, meine Falco-Best Of CD in die Anlage geschmissen und sehr laut und euphorisch mitgesungen. Vielleicht war auch allgemeiner Weltschmerz in meiner Stimme. Tatsächlich klang ich aber, als hätte ich seit meiner Geburt nichts anderes als Whiskey zu mir genommen und wäre hauptberuflicher Cowboy (aber nicht so Brokeback Mountain mäßig. Mehr John Marston. Mit Narbe und übermenschlicher Coolness. Außerdem hätte ich ein Pferd namens „Ichi The Killer“. Aber das ist eine andere Geschichte).

Ich steppe also zu „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“ mit spektakulären Dancemoves und Whoopie Goldberg gleicher Stimme durch die Wohnung, als mein Blick auf das Fenster fällt. Das einzige Fenster in meinem Wohnzimmer Schrägstrich einzigem Zimmer. Das sehr weit offen stehende Fenster zum Hinterhof.

Meine Nachbarn haben schon sehr viel von mir gehört und gesehen. Sehr. Viel. Das wiederum beruht auf Gegenseitigkeit und ich werde nie den Moment vergessen, als mein Bruce Willis Nachbar nackt und mit Erektion in seinem flackernd beleuchteten Bad stand. Nichtsdestotrotz hatte ich bisher schon das Gefühl, dass ich im Hausflur immer nur sehr zurückhaltend gegrüßt werde und spätestens ab morgen dann wahrscheinlich auch gar nicht mehr. Ich erwarte mit zitternden Händen und hysterischem Lachen einen Brief meiner Hausverwaltung. Die Mieterhöhung lässt sowieso schon überraschend lange auf sich warten. HEY, GENTRIFIZIERUNG!

Abschließend binde ich nun Videos ein. Interviewvideos. Da sie sehr zeitlos sind, bin ich mir auch jetzt noch nicht zu schade, sie weiterhin jedem aufzudrängen. Und da ihr meinen Blog lest, seid ihr quasi selbst schuld. Ihr könnt euch revanchieren, in dem ihr Kommentare verfasst, in denen ihr euch darüber echauffiert, dass sich niemand für Brüste, Gewalt und Drogen interessiert und die gestellten Fragen somit die schlechtesten der Welt sind. Bitte tut es. Das sind nämlich die Dinge, die mich wirklich glücklich machen. Neben Falco. Und Ponies.

Ahoi.

Advertisements