Gedanken aus dem Exil – mit Thomas Hayo und Colin Farrell (!!)

Behutsam puste ich den Staub von der Tastatur meines Laptops, der leise, beinahe fröhlich, gequietscht hat, als ich ihn aufklappte. Lange, so lange habe ich keinen Blogeintrag mehr auf ihm getippt. Stattdessen habe ich mich in die Wälder Brandenburgs zurückgezogen und mit Tieren gelebt. Monate, in denen ich kein einziges Mal meine Augenbrauen zupfen musste und mich ausschließlich von gepökelten Baumrinden und getrocknetem Moos ernährt habe. Es war so schön.

Nein, das war natürlich gelogen. In der Realität liege ich in irgendeinem elektrolythaltigen Sud, Stromschläge lassen meine Gliedmaßen zucken und nur der stetig nachsickernde Schaum vor meinem Mund gibt Zeugnis davon, dass ich noch am Leben bin. „Herzlich willkommen im vierten Semester, Sucker!“ steht auf einem schlecht bedruckten Spruchband über meiner sargähnlichen Kabine und ich frage mich, warum es nicht vom deutschen Staat gesetzlich festgelegt werden kann, dass jeder Mensch ohne das kleinste Bisschen an ästhetischem Empfinden zumindest Helvetica verwenden muss.

Auch das stimmt nicht, aber wir nähern uns der Wahrheit. Mein Studium frisst mich auf und der Stress fängt an, mich zu verändern. Ich liege lieber stundenlang im Bett und starre bewegungslos und ohne zu Blinzeln die Wand an, als am Wochenende durch die Clubs zu ziehen. Ich trinke morgens Earl Grey und grünen Tee, während ich unter Herzrhythmusstörungen panisch meine Mails checke und hoffe, dass niemand etwas von mir möchte. Ich besitze jetzt ein Handrührgerät.

Aus werbetechnischen Gründen hier ein Einschub: zwei wunderschöne Frauen und ich spielen hart besoffen Videospiele – die Sendung. „Wein und Wummen“ macht Peniswitze und ist im allgemeinen das investigativste und tiefschürfendste seit Kai Diekmanns letzter Darmspülung. Guckt es euch HIER an!

So viel zu den guten Nachrichten. Im Folgenden will ich euch stichpunktartig erläutern, was in den kommenden Monaten nicht passieren wird:

  1. Ich werde entgegen aller Gerüchte nicht mit Colin Farrell auf eine Pferde- und Alpaca-Ranch ziehen, nachdem wir in Kartoffelbrei (mit Stückchen) geheiratet haben. Wir haben uns einvernehmlich getrennt, nachdem er meine Liebe leider nicht erwidern konnte und mit der Kugel im Bein hätte er die Felder sowieso nicht bestellen können.
  2. Thomas Hayo hat sich bisher noch nicht dazu bereiterklärt, bei einer von mir geschriebenen Sendung über sein Leben mitzuwirken, in der er ausschließlich über sich selbst in der dritten Person spricht und auch seine Bauchbinden-Texte selbst schreibt.
  3. Ich werde nicht bei der diesjährigen Splash-Lesebühne wahnsinnig intime und interessante Dinge breittreten, weil ich viel lieber in der Uni hocken und Projekte präsentieren möchte. Sollte die Situation eskalieren und mehrere Tote fordern: das Spiel „Oblivion“ aus der Elder Scrolls Reihe ist schuld und sollte dementsprechend umgehend verboten werden.

Danke für die Aufmerksamkeit.

stop breaking my heart, videospiele!

Ich wusste, der Moment würde kommen. Ich dachte nur, ich hätte noch mehr Zeit, mich emotional darauf vorzubereiten.  Wir sind doch noch so jung, Vaas! Wir sind doch noch so jung. Was ist gestern geschehen, werdet ihr euch fragen (Ich stelle mir vor, wie ihr dabei Kekse esst und immer, wenn euch der Mund fassungslos ein bisschen weiter offen stehen bleibt, sprüht ihr beim Ausatmen Krümel auf eure Plastik-Vintagehemden von Primark) und ich werde es euch nun mitteilen. Mit angemessener Dramatik.

Ich habe die vergangenen Wochen/Monate damit verbracht, „Far Cry 3“ zu spielen. Ja, ist schon seit Ende letzten Jahres raus und ihr habt es schon alle durch, aber ihr seid auch 14, habt kein Leben und müsst in Einzelfällen wahrscheinlich noch nicht mal eure Laken selbst wechseln, ihr alten Bettnässer. Ich habe also freie ungestörte Stunde mit meinem Controller im Bett verbracht (Playstation-Love is true Love) und die letzten tausend nicht erlebten Karibikurlaube meines Lebens kompensiert. Hirsche mit Pfeilen erlegen, in Unterwasser-Grotten tauchen, mit einem Gleiter gegeben Gebirgsmassive fliegen, lauschige Stunden am Strand mit meiner AK-47 verbringen und Granaten auf Bären werfen. Es war wundervoll und ich habe es geliebt. Ab und an habe ich dann auch eine der Hauptmissionen gemacht, in denen ich als unsympathischer Collegeboy Jason Brody mit Hollywoodfreundin (sie heißt Liza, kann nicht mit Schaltung fahren, will in unangebrachten Situationen über ihre Exfreunde reden und ruft einen an, während man C4-Ladungen an Lastwagen befestigt) meine gekidnappten Freunde retten muss.

Während man sich anfangs noch denkt, dass diesbezügliche Rache an den Menschenhändler-Piraten vielleicht nicht unangebracht ist. Nach mehreren Spielstunden kann ich aber ganz klar sagen: Ich hasse jedes einzelne dieser amerikanischen Richkids und würde sie mit Freuden und ohne jegliche moralische Bedenken wahlweise Abknallen oder als Keller-Sexsklaven an bärtige Exilaustralier verkaufen – das denke ich mir nicht aus, das kam exakt so im Spiel vor. Dementsprechend hohe Sympathiewerte hat bei mir der Nebenantagonist Vaas, der mir vielleicht nur deshalb nicht so verrückt vorkommt wie er wirken soll, weil ich aus psychologischer Sicht selbst ziemlich abgefuckt bin und außerdem eine Schwäche für Männer mit Suchtproblem habe. Nach knapp der Hälfte aller Hauptmissionen soll man dann genau diese Person, angestachelt von dessen Hurenschwester, die für die grenzdebilen Inselbewohner so eine Art Göttin ist, umbringen und an dieser Stelle möchte ich sagen: NEIN UBISOFT, DAS WILL ICH NICHT!

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Es reicht mir im Allgemeinen, dass in quasi allen Videospielen die ich wirklich mag, früher oder später der Punkt kommt, an dem die Charaktere sterben, die mir sympathisch sind. (Denkt euch an dieser Stelle eine Spoiler-Warnung)

Aktuellstes Beispiel außer dem hier genannten ist die „Mass Effect“-Reihe. Durch eine Vielzahl an abgefuckten Drecksentscheidungen, die ich anscheinend unbewusst gefällt habe, sind mir nach und nach nahezu alle meiner Lieblings-Teammitglieder weggestorben. Dafür gab es dann in Teil 3 ein Wiedersehen mit u.a. Motz-Jacob, der mit mir nie über Privates reden wollte, dessen neue Flamme ich aber direkt mal aus den Klauen einer terroristischen Organisation befreien darf, nur um dann mitgeteilt zu bekommen dass sie schwanger ist. Für solche Leute möchte ich die Galaxie nicht retten!

Weniger ärgerlich, dafür psychisch tiefschürfender war mein unfassbarer Erfolg beim Spielen von „Heavy Rain“. Die vier spielbaren Personen können nach und nach wegsterben, die Story kommt allerdings trotzdem zum Schluss. In Anbetracht der Tatsache, wie virtuos ich es geschafft habe, wirklich JEDEN bis auf den Mörder umzubringen, hätte ich eigentlich ein Zusatz-Achievement verdient gehabt.

Zu diesem Zeitpunkt war ich innerlich aber schon ziemlich abgestumpft, schließlich hatte mich das Ableben von John Marston in „Red Dead Redemption“ emotional bereits komplett zerstört. Wütend bin ich danach mit seinem Sohn, dessen Stimme klingt als hätte man ihm die Nase mit dem Lebenswerk von Stefanie Meyer gebrochen, durch die Lande geritten, habe ihn gerächt und ich schäme mich nicht an dieser Stelle zuzugeben, dass ich dabei Tränen in den Augen hatte.

Zurück zu „Far Cry 3“. Ich habe gedacht, ich würde es schaffen. Ich möchte das Spiel ja auch wirklich weiterspielen, vor allem, weil man am Schluss die Möglichkeit eines Endes gegeben ist, bei dem Jason Brody (ICH HASSE DICH, JASON BRODY!) stirbt. Ich hatte es sogar schon bis ins Piratenlager geschafft, in dem es so viel Graffiti gibt, dass Damion Davis mit Tränen in den Augen über seinen „A.C.A.B.“-Pulli streicheln würde. Aber dann konnte ich es einfach nicht tun – und wurde von einem Tiger angesprungen. Ein Zeichen, dass es einfach nicht passieren soll, dachte ich mir und habe die Playstation ausgemacht.

(P.S.: Ich mache jetzt erst mal mit „Dead Space 3“ weiter und warte darauf, dass der Schmerz nachlässt.)

(P.P.S.: Warum trägt Inselbewohner-Dennis, der einen noch öfter anruft als die eigene Freundin, eigentlich immer diese alberne Nerd-Brille? Er sieht blöd damit aus.)