Sie haben keine Hornhautreibe? Fragen Sie doch Ihren behinderten Schwippschwager!

Hello.

Manchmal ist einen Blog zu unterhalten wie eine Schwangerschaft. Man ist ständig schlecht gelaunt, man schwört sich, weniger Alkohol zu trinken und mit dem Rauchen aufzuhören… Eigentlich ist mein komplettes Leben wie eine Schwangerschaft. Vergessen wir also diese unpassende Metapher und widmen uns wichtigerem. Der Gamescom. Ja, ist schon zwei Wochen her, fast, bald, ziemlich genau? Aber: sonst passiert nichts in meinem Leben und mit Menopause-artigen Stimmungsschwankungen und Gefühlsausbrüchen will ich euch ja nun auch nicht quälen. Zumindest nicht ausschließlich.

Wir, das umfasst die zauberhafte J. und ich, waren also in Köln zugegen und haben gearbeitet. Ja, haben wir wirklich. Wir waren in journalistischer Mission unterwegs und die Clean-Version unserer Erlebnisse könnt ihr HIER (http://www.rap.de/blogs/userblogs/entry/lisa-bloggt-live-und-direkt-von-der-gamescom) lesen. Die vollkommen willkürliche Groß- und Kleinschreibung resultiert übrigens aus einer wilden Kombination aus Dinge auf dem Handy tippen, per E-Mail weiterleiten und von anderen, ebenfalls sehr gestressten Leuten ins Blogsystem einpflegen lassen. Aber wir sind im Internet. Rechtschreibung und derlei Firlefanzereien interessieren da ja sowieso niemanden, außer sie haben im weitesten Sinne irgendetwas mit Tentakelsex zu tun. Highlight meines Live-Blogs ist zweifelsohne das schlechteste Handyvideo aller Zeiten, welches auf Youtube mit Sätzen wie „was soll der scheiß, alter“ bedacht wurde. Wäre ich nicht absolut kritikunfähig, würde ich sagen „Zu recht“, da ich es aber bin: HALT DIE FRESSE DU BEHINDERTES EURYTHMIEGESICHT UND SCHAB DEINER TRISOMIE-MUTTER WEITER MIT DEN ZÄHNEN DIE HORNHAUT VON DEN FÜSSEN! So.

Die Uncut- respektive Alkoholikers Cut-Version unseres fünftägigen Kölnaufenthalts gibt es in jedem Fall jetzt und hier.

Mittwoch:

Nach einer Odyssee des absoluten Grauens kamen wir irgendwann am Kölner Messegelände an und erhustleten uns eine weitere Presseakkreditierung. Wir wollten das bewusst nicht im Vorfeld klären, weil wir einfach die Jason Stathams des Akkreditierungs-Adrenalinrausches sind und zusätzlich dazu auch noch coldblooded motherfucker. J. war in den kommenden Tagen offizielle Mitarbeiterin von Ubisoft und machte TROTZDEM Fotos für rap.de. Diese Bildergalerie ist bisher zwar noch nicht online gegangen, wir sind aber frohen Mutes, dass dies noch passieren wird. Nach ersten beruflichen Terminen, die hier nicht weiter von Interesse sind, weil sie keine alkoholischen oder sexuellen Ausschweifungen enthalten, begaben wir uns erstmalig ins Hotel. Unser Hotel. Auf der Domplatte. In meinem ganzen Leben fühlte ich mich nicht so fancy und dieses Gefühl hielt in den kommenden Tagen auch dann noch an, wenn ich mich bestrumpft und schwankend als 100 Faces of Meth-Cosplayer durch die Lobby schleppte.

Die Abendgestaltung bestand aus einer allesistumsonst Game Release Party, namentlich der von Far Cry 3, und entgegen unserer Vorahnung waren wir absolut overdressed. Die folgenden Ereignisse kommen mir im Nachhinein etwas unzusammenhängend und mitunter auch absolut schwachsinnig vor, tatsächlich enthielten sie aber jede Menge Rum, dramatische Liebesgeschichten mit jeder Menge Leidenschaft, Kunstblut und Gewalt zwischen J. und einem österreichischen Brillenträger, den wir an dieser Stelle aus Anonymitätsgründen einfach nur „Toph“ nennen wollen, sowie viel langweiliger Musik. Spätestens als ich mit fünf Litern Kunstblut im Dekollete und ohne Schuhe im Regen stand und rauchte, war klar: Wir sollten jetzt vielleicht mal gehen. Folgendes Bild fasst den Abend vielleicht ganz gut zusammen:

Image

Donnerstag:

Restbetrunken auf Pressetermine gehen, bei denen einem neue Spiele vorgestellt werden, klingt spaßiger, als es ist. Wirklich. Am Abend waren wir dann allerdings wieder soweit auf dem Damm, dass wir es guten Gewissens auf uns nehmen konnten, noch mehr zu trinken und bis morgens, 7.30 Uhr, auf einer Parkbank vor einem Kölner LIDL-Discounter rumzuhängen. Stunden zuvor hatte ich mich bis aufs Blut mit einem Bekannten eines Bekannten von J. gestritten, kann aber beim besten Willen nicht rekonstruieren, wie es dazu kam. Bestimmt hatte er mich provoziert.

Freitag:

Ich habe schon jetzt keine Lust mehr, diesen Blogeintrag weiterzuführen und poste deshalb willkürlich Bilder. Was wir Freitag gemacht haben, könnt ihr dem rap.de-Artikel entnehmen, ihr faulen Schweine.

Image

Samstag:

Ein letztes Mal mit blutigen Füßen über die Messe stolpern. Sich von maskulinen Egoshooterboys Gratis-Shirts ergaunern und sich auf das große Abschlussbesäufnis am Sonystand freuen. Ein Auf und Ab der Gefühle, dass uns vollkommen entkräftete Zombies am Leben gehalten hat. Im verzweifelten Versuch das letzte bisschen Restseriösität nach Außen zu tragen, entschied ich mich beim Abendoutfit für einen halblangen Pullover – bei über 30 Grad Außentemperatur ein nahezu heroisches wenn nicht sogar komplett wahnsinniges Unterfangen. 15 Bier später tat ich dann das, was ich immer tue, wenn das flüssige Gold in Bächen fließt und ich ein bisschen gut gelaunt bin: mehr oder minder fremden Menschen Gespräche aufzwingen, Vorbeigehende beim Ausführen komplizierter und ausgefeilter Dancemoves ausversehen schlagen und als einzige Person im Umkreis von tausend Metern komplett ausrasten, wenn A Tribe Called Quest läuft.

Bringen wir das Ganze zu einem schnellen Ende: Es war schön. Es war anstrengend. Mein Hautbild ist komplett zerstört und ich wünsche mir eine erotische Liaison in Kunstblut.

Kame Hame Ha! (Ich hoffe das in irgendeinem autarken Kleinstaat als offizielle Verabschiedungsform zu etablieren.)

Deine Mutter. Der kiffende Bodensatz dieser Gesellschaft.

Unter Musikhörern bin ich mehr so der Typ des hängengebliebenen Kiffers, der stundenlang komplett apathisch auf seiner Couch hängt, ohne sich zu bewegen. Unterschied zu mir: Ich bin euphorisch apathisch.  Meine Nachbarn müssen mich hassen. Wenn ich nicht gerade technische Geräte oder meinen Bronzening Powder anschreie, höre ich nämlich Sachen im Loop. Heute war es „Demons“ von A$ap Rocky. Warum? Keine Ahnung.

Dies ist also der erste Verlegenheitsblogeintrag seit zwei Wochen und an dieser Stelle möchte ich erwähnen: Aus Gründen! Ich hatte zu tun. Meine Leber und ich waren überaus beschäftigt und bis jetzt ist noch nicht ganz klar geworden, wer aus dieser allgemeinen Produktivität weniger geschädigt hervorgegangen ist. Das wird wohl die Zukunft zeigen und ich werde mich in 32 Jahren an diesen Tag zurückerinnern und mir denken „Ach, wie schön war die liebliche Ungewissheit!“, während ich Blut spuckend meiner Exotic Shorthair Katze Tribals ins Fell bürste.

Ich arbeite jetzt wahnsinnig umständlich die vergangenen zwei Wochen auf. Beziehungsweise die „Highlights“. High-Lights. Hahahahaa. Haaaa. Fangen wir mit vergangenem Mittwoch an.

Eigentlich wollten wir einfach frech die Uni schwänzen, um im Computerspielemuseum rumzuhängen. In Berlin fanden nämlich die Games Tage statt, an denen normalerweise nur wahnsinnig wichtige oder wahnsinnig gutsituierte Leute teilnehmen. Am (und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage:) BESTEN Museum der Welt war allerdings ein Pavillon aufgebaut, in dem man die Spiele zocken konnte, die für den Deutschen Computerspielepreis nominiert waren (dazu komme ich später noch). Als wir dort mäßig attraktiv aufkreuzten, stellte sich allerdings heraus, dass das gerade alles erst eröffnet wurde und es demzufolge ein ausgesprochen großes Hallo gab. Was soll ich sagen. Es gab Schnittchen. Es gab langatmige Reden von Menschen in Jacketts. Es gab Wein umsonst. Und es gab besagte Spiele.

Weil ich ja so gerne auf mich aufmerksam mache, habe ich es dann auch direkt geschafft, den ersten Controller, den ich in die Hand bekam, zu zerlegen. Jeder wird verstehen, dass ich mich, beschwert von der unendlichen Scham, im Anschluss wahnsinnig schnell betrinken musste. Hat außerordentlich gut geklappt, mit glasigen Augen hörte ich anschließend noch Leuten mit schweizerischem Akzent zu, wie sie über Videospiele philosophierten und nach circa 52 gerauchten Zigaretten hatten wir plötzlich Listenplätze für die Aftershowparty des Deutschen Computerspielepreises.

Die fand am Donnerstag im Umspannwerk Alexanderplatz statt, das wir nach gefühlten 97 Kilometern in hohen Schuhen dann tatsächlich auch fanden. Es gab… kein Essen. Es gab viele ergraute Männer. Es gab Cosplayer. Es gab Wodka Energy. Es gab einen Nintendostand. Es gab fast eine Eskalation. Ich weiß nicht, ob irgendjemand von euch schon mal versucht hat, nach dem sechsten Longdrink irgendetwas in 3D zu spielen. Grenzerfahrungen wie diese hatte bisher wohl nur Roberto Blanco im Darkroom. Unabhängig davon, dass ich auch nüchtern kein sehr ausgeglichener Mensch bin, sobald ich irgendetwas Controllermäßiges in der Hand halte, duplizierte sich meine ohnehin lachhafte Reaktionsfähigkeit minus 1983084309483024. Zu verlieren ist schon ziemlich schön, noch fantastischer wird es allerdings, wenn jemand wahnsinnig gutgelauntes neben einem sitzt und Sachen sagt wie „Boah, krass! Ich habe den Highscore gebrochen! Das macht ja voll Spaß!“.

Mit zitternden Händen und zuckenden Augenlidern legte ich betont vorsichtig dieses… Ding zurück und verabschiedete mich für die kommenden tausend Stunden in Richtung Bar, wo ich Computerspielemenschen dazu zwang, sich mit mir über Wendyegoshooter, Helge Schneider und Brüste zu unterhalten. Klingt nach perfektem Smalltalk? Ja, finde ich auch! Irgendjemand hat dann noch getanzt. Menschen haben gefreestyled. Ein karrieremäßig sehr erfolgreicher Mensch sang für uns und begleitete sich dabei selbst auf der Gitarre – es war zauberhaft.

Dann sind noch andere Sachen passiert, aber ich habe keine Lust mehr zu schreiben. Schon wieder alles so anstrengend hier. Ich krieche zurück auf meine Couch und höre weiter „Demons“. Melusine und Cheerio, Brüder.