stop breaking my heart, videospiele!

Ich wusste, der Moment würde kommen. Ich dachte nur, ich hätte noch mehr Zeit, mich emotional darauf vorzubereiten.  Wir sind doch noch so jung, Vaas! Wir sind doch noch so jung. Was ist gestern geschehen, werdet ihr euch fragen (Ich stelle mir vor, wie ihr dabei Kekse esst und immer, wenn euch der Mund fassungslos ein bisschen weiter offen stehen bleibt, sprüht ihr beim Ausatmen Krümel auf eure Plastik-Vintagehemden von Primark) und ich werde es euch nun mitteilen. Mit angemessener Dramatik.

Ich habe die vergangenen Wochen/Monate damit verbracht, „Far Cry 3“ zu spielen. Ja, ist schon seit Ende letzten Jahres raus und ihr habt es schon alle durch, aber ihr seid auch 14, habt kein Leben und müsst in Einzelfällen wahrscheinlich noch nicht mal eure Laken selbst wechseln, ihr alten Bettnässer. Ich habe also freie ungestörte Stunde mit meinem Controller im Bett verbracht (Playstation-Love is true Love) und die letzten tausend nicht erlebten Karibikurlaube meines Lebens kompensiert. Hirsche mit Pfeilen erlegen, in Unterwasser-Grotten tauchen, mit einem Gleiter gegeben Gebirgsmassive fliegen, lauschige Stunden am Strand mit meiner AK-47 verbringen und Granaten auf Bären werfen. Es war wundervoll und ich habe es geliebt. Ab und an habe ich dann auch eine der Hauptmissionen gemacht, in denen ich als unsympathischer Collegeboy Jason Brody mit Hollywoodfreundin (sie heißt Liza, kann nicht mit Schaltung fahren, will in unangebrachten Situationen über ihre Exfreunde reden und ruft einen an, während man C4-Ladungen an Lastwagen befestigt) meine gekidnappten Freunde retten muss.

Während man sich anfangs noch denkt, dass diesbezügliche Rache an den Menschenhändler-Piraten vielleicht nicht unangebracht ist. Nach mehreren Spielstunden kann ich aber ganz klar sagen: Ich hasse jedes einzelne dieser amerikanischen Richkids und würde sie mit Freuden und ohne jegliche moralische Bedenken wahlweise Abknallen oder als Keller-Sexsklaven an bärtige Exilaustralier verkaufen – das denke ich mir nicht aus, das kam exakt so im Spiel vor. Dementsprechend hohe Sympathiewerte hat bei mir der Nebenantagonist Vaas, der mir vielleicht nur deshalb nicht so verrückt vorkommt wie er wirken soll, weil ich aus psychologischer Sicht selbst ziemlich abgefuckt bin und außerdem eine Schwäche für Männer mit Suchtproblem habe. Nach knapp der Hälfte aller Hauptmissionen soll man dann genau diese Person, angestachelt von dessen Hurenschwester, die für die grenzdebilen Inselbewohner so eine Art Göttin ist, umbringen und an dieser Stelle möchte ich sagen: NEIN UBISOFT, DAS WILL ICH NICHT!

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Es reicht mir im Allgemeinen, dass in quasi allen Videospielen die ich wirklich mag, früher oder später der Punkt kommt, an dem die Charaktere sterben, die mir sympathisch sind. (Denkt euch an dieser Stelle eine Spoiler-Warnung)

Aktuellstes Beispiel außer dem hier genannten ist die „Mass Effect“-Reihe. Durch eine Vielzahl an abgefuckten Drecksentscheidungen, die ich anscheinend unbewusst gefällt habe, sind mir nach und nach nahezu alle meiner Lieblings-Teammitglieder weggestorben. Dafür gab es dann in Teil 3 ein Wiedersehen mit u.a. Motz-Jacob, der mit mir nie über Privates reden wollte, dessen neue Flamme ich aber direkt mal aus den Klauen einer terroristischen Organisation befreien darf, nur um dann mitgeteilt zu bekommen dass sie schwanger ist. Für solche Leute möchte ich die Galaxie nicht retten!

Weniger ärgerlich, dafür psychisch tiefschürfender war mein unfassbarer Erfolg beim Spielen von „Heavy Rain“. Die vier spielbaren Personen können nach und nach wegsterben, die Story kommt allerdings trotzdem zum Schluss. In Anbetracht der Tatsache, wie virtuos ich es geschafft habe, wirklich JEDEN bis auf den Mörder umzubringen, hätte ich eigentlich ein Zusatz-Achievement verdient gehabt.

Zu diesem Zeitpunkt war ich innerlich aber schon ziemlich abgestumpft, schließlich hatte mich das Ableben von John Marston in „Red Dead Redemption“ emotional bereits komplett zerstört. Wütend bin ich danach mit seinem Sohn, dessen Stimme klingt als hätte man ihm die Nase mit dem Lebenswerk von Stefanie Meyer gebrochen, durch die Lande geritten, habe ihn gerächt und ich schäme mich nicht an dieser Stelle zuzugeben, dass ich dabei Tränen in den Augen hatte.

Zurück zu „Far Cry 3“. Ich habe gedacht, ich würde es schaffen. Ich möchte das Spiel ja auch wirklich weiterspielen, vor allem, weil man am Schluss die Möglichkeit eines Endes gegeben ist, bei dem Jason Brody (ICH HASSE DICH, JASON BRODY!) stirbt. Ich hatte es sogar schon bis ins Piratenlager geschafft, in dem es so viel Graffiti gibt, dass Damion Davis mit Tränen in den Augen über seinen „A.C.A.B.“-Pulli streicheln würde. Aber dann konnte ich es einfach nicht tun – und wurde von einem Tiger angesprungen. Ein Zeichen, dass es einfach nicht passieren soll, dachte ich mir und habe die Playstation ausgemacht.

(P.S.: Ich mache jetzt erst mal mit „Dead Space 3“ weiter und warte darauf, dass der Schmerz nachlässt.)

(P.P.S.: Warum trägt Inselbewohner-Dennis, der einen noch öfter anruft als die eigene Freundin, eigentlich immer diese alberne Nerd-Brille? Er sieht blöd damit aus.)

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Mass Effect und warum Lionel Richie ein kranker Soziopath ist

Ich liebe Mass Effect. Des Weiteren beginne ich Blogeinträge gerne mit kurzen Sätzen, weil ich mir damit irgendwie schnittig und aufregend vorkomme und da ein guter Zauberer nie seine Tricks verrät, wäre ich neben all den vielen anderen Dingen, die mich zu einem ultimativen Versager machen, zusätzlich auch noch ein sehr schlechter David Copperfield. Was vielleicht nicht schlimm ist, denn wenn ich im erweiterten Zirkusumfeld jemals irgendetwas sein wollte, dann einer von diesen krassen Tierdompteuren, die im eleganten Zweireiher durch Reihen aus fauchenden Wildkatzen und schnaubenden, ausschlagenden Hengsten flanieren und dabei so unbewegt wirken, als würden sie gerade nach einem durchsoffenen Wochenende die Pfandflaschen wegbringen. Nur eleganter.

Was ich als Kind außerdem auch immer werden wollte ist Astronaut und ich glaube, dafür muss ich meinen Vater verantwortlich machen. Neben der Tatsache, dass er mich von Kindesbeinen an auf Motorsport, Reinhold Messner-Gedächtnisfilme, Loriot und James Bond getrimmt hat, habe ich außerdem eins zu eins seine Begeisterung für alles, was den Weltraum betrifft, übernommen.  Und nach all den Jahren, in denen ich einerseits gerne mit ihm die neuen Star Wars Filme im Kino geguckt habe (ich gehe mit meinem Vater im Allgemeinen sehr gerne ins Kino. Wenn wir auch sonst die ein oder andere Meinungsverschiedenheit haben mögen, treffen wir uns dann doch meistens bei Filmen), andererseits für uralt Science Fiction-Serien, die er sich nach Jahren der sepiafarben Erinnerungsschübe auf DVD besorgt hat, eher weniger Begeisterung aufbringen konnte, habe ich nun etwas weltraumaffines gefunden, mit dem ER wohl  eher weniger anfangen kann. Eine Videospieleserie, die ihr alle schon tausendmal durchgespielt habt, auf die ich aber erst jetzt gekommen bin, weil mir neue Sachen immer zu teuer sind und ich deshalb alles mindestens zwei Jahre zu spät spiele.

(Vollkommen unsinnig habe ich den Spannungsbogen ins geradezu Groteske überreizt. Im Endeffekt wurde alles im Eingangssatz verraten.)

Mass Effect sollte ursprünglich mein Ritalin für den von BioWare erzwungenen (JA! Ganz recht! Blutend liege ich zu euren Füßen darnieder und fordere den dritten Teil!) Dragon Age Entzug sein. Und was soll ich sagen: überrascht ob meiner Fähigkeit für derart aufblühende Gefühle muss ich verkünden, dass ich verliebt bin. Colin Farrell, du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben, aber du trägst einfach keinen Raumanzug der Normandy. Sorry.

Was so toll ist? Neben einem komplexen, durchdachten Spieleuniversum (haha. Universum. Halt echt.), super Dialogen, Charakteren und ordentlich Rumschießerei? Man kann mit fast jedem lebenden Organismus auf dem Raumschiff Sex haben. Und fühlt sich absurderweise selbst bei jeder Nebenbei-Affäre dazu gezwungen, sich moralisch korrekt zu verhalten. Eine Sache, die ich in meinem Privatleben so nie gebacken kriege. Während ich also Planeten scanne, Crewmitglieder verführe und den gesamten Orbit rette, verlottert meine Wohnung zusehends, der Kühlschrank bleibt leer und teilweise kommt es sogar vor, dass ich eine komplette Woche lang den selben Nagellack trage. Einerseits wäre es also durchaus wünschenswert, dass ich die Mass Effect-Trilogie endlich durchhabe, andererseits fürchte ich mich schon jetzt vor der bodenlosen Leere, die mich nach Beendigung dieses Meilensteins der spielbaren Cyper Opera aufsagen wird.

Ach ja: Ist euch eigentlich mal aufgefallen, wie zynisch und böse es ist, dass Lionel Richie eine BLINDE „Is it me you’re looking for?“ fragt?

Wollt ihr die totale Verzweiflung?

Neben spontanen, dramaturgisch perfekt aufgebauten Wutausbrüchen und U-Bahn-Verkaufsgesprächen über Nagellack habe ich nun noch eine dritte Sache gefunden, die ich wahnsinnig gut kann. Einsame Seelen zusammen führen. Allerdings nur, wenn ich selbst nicht dazugehöre. Folgende Situation.

Eine gute, ich möchte an dieser Stelle anmerken: auch sehr schöne Freundin (das wird nachher noch wichtig) und ich hatten uns selbst die Aufgabe gestellt, in diesem Winter zwingend und unter allen Umständen eine Beziehung zu führen. Da mir eine genaue Monatsdefinierung vom Begriff „Winter“ fehlt, habe ich es bisher eigentlich ganz gut geschafft mir selbst vorzulügen, dass wir uns einfach in einem sehr kalten Herbst befinden und wäre unter Umständen vielleicht sogar in der Lage, diese Illusion bis Weihnachten aufrecht zu erhalten. Der allgemeinen Verzweiflung tut das natürlich keinen Abbruch und wenn ich von Verzweiflung spreche, dann bin sind wir über den Punkt der leichten Überreiztheit bei Männergeschichten anderer bei weitem hinaus. Wann immer eine Freundin eine Geschichte mit „Und dann habe ich mich gestern mit Jürgen/Dieter/diesemkrasslustigenundsympathischenmilliardärssohn getroffen“ beginnt, hält mich nur die Tatsache, dass ich beim Weinen krass beschissen aussehe, von herzzereissendem Aufschluchzen ab.

Ich mag zwar lächerlich oberflächlich sein, bin aber mittlerweile an einem Punkt in meinem Leben, an dem der Auserwählte nicht mehr zwingend aussehen muss wie Colin Farrell und auch Suchtprobleme sowie eine komplett abgefuckte Psyche nur noch optional sind (Ihr seid nicht medikamentös eingestellt? Sorry. Kein Interesse). Es kommt mittlerweile also durchaus zu der Situation, dass ich bei etwaigen Abendveranstaltungen auf Männer treffe, mit denen ich mir tendenziell vorstellen könnte, nackt in meiner Wohnung Playstation zu spielen. Ziehen wir davon die 99 Prozent ab, die sich in einer Beziehung befinden, bleibt immer noch ein Prozent tendenziell beziehungsbarer (das Wort gibt es, richtig?) Männer in Berlin.

Heute früh zum Beispiel, ich denke es war gegen 6 Uhr morgens, hatte ich tatsächlich jemanden erspäht. Er befand sich in einer Gruppe von drei Männern, wir waren drei Frauen und man hätte sich vielleicht irgendwie cool unterhalten können. Außerdem sah ich aus wie eine komplett geisteskranke Meth-Version von Cleopatra, war über und über mit goldenem Glitzerstaub bestreut und seien wir ehrlich: Selbst Stephen Hawking wäre vor mir in die Knie gegangen. Ich zwinge dem Testosteron-Konglomerat also ein Gespräch auf und folgende Dinge ereignen sich:

Typ 1, mit dem albernsten Namen der Welt und angestrengt wildem Haar, erzählt irgendetwas, dem ich mich nicht in der Lage sehe zu folgen, weil ich seinen vermeintlich attraktiven Kumpel anstarre, der hinter ihm sitzt. Währenddessen unterhält sich Freundin 1 (ich erwähnte sie bereits zu Beginn) fantastisch mit Typ 3, Typ 2 ist der VERMEINTLICH Attraktive und durch die mehrfache Erwähnung dieses Wortes schüre ich eure Erwartungen, was wohl noch so Unerwartetes geschehen mag. Sie verstehen sich tatsächlich so gut, dass erste Wetten dahingehend abgeschlossen werden, wann sie mit dem Rumknutschen anfangen. Mittlerweile fängt auch Typ 2 an zu reden und… Ok, folgendes. Es gibt einfach Leute, die ausschließlich dann ein schönes Gesicht haben, wenn ihr Mund geschlossen ist. Ich persönlich glaube, dass auch ich dazugehöre, allerdings sage ich zumindest nicht Dinge wie „Boah, ey, 2Pac ist der Beste. Ganz klar.“. Komplett ernüchtert und zunehmend verzweifelt, wende ich mich daraufhin wieder Freundin 1 zu, während Freundin 2 sich mit Erenian unterhält. Ich glaube das war der absurde Name. Oder Enreas.

Die emotionale Situation zwischen Freundin 1 und Typ 3 spitzt sich zu, innige Blicke werden ausgetauscht und wäre ich Sebastian die Krabbe und das Leben ein Disney Film, würde ich um die beiden herumschleichen und „Küss sie doch!“ singen. Weinend. Während ich in den Atempausen auf meinen Haarspitzen rumkaue und manisch blinzle. Der mit Augenbrauenstift aufgemalte Penis, mit Glitzerkleber-Ejakulat, den ich künstlerisch versiert auf ihren Oberarm gekritzelt habe, macht die Situation nur noch intimer. Das ist einfach Liebe.

Ich habe es also geschafft, durch ein aufgezwungenes Gespräch, das nur zum Ziel hatte, sich Tupac-Thorsten klarzumachen, die einzige Person zu verkuppeln, die meine Leidensgenossin in diesem kalten, bitteren Winter werden sollte. Wie sehr mein Unterbewusstsein mir meinen Selbsthass vor Augen zu führen versucht, ist mittlerweile weit über den Punkt der absoluten Lächerlichkeit hinaus. Ich spiele jetzt Mass Effect 2 weiter. UND AUCH DA HABE ICH ES BISHER NICHT GESCHAFFT, IRGENDEIN CREWMITGLIED KLAR ZU MACHEN.