YOLO, ihr hippen Motherfucker!

Gibt es einen pathologisch bestimmbaren Punkt, ab dem offiziell alles zu spät ist? Nehmen wir an, jemand würde mit „Totes Meer“-Gesichtsmaske in seinem Bett liegen, darauf warten, dass der PS3-Controller sich auflädt und dabei Brauseufo-essend „Let’s Play“s von Pferdecomputerspielen auf Youtube gucken – wo befinden wir uns da auf der offiziellen Behindertness-Skala von 0 bis Boris Becker?

Ist es weniger schlimm, wenn besagte Person große Brüste hat? Wäre vielleicht auch der Kalte Krieg mit mehr großen Brüsten so viel weniger dramatischer gewesen? Und was machen asiatische Pornodarsteller eigentlich, wenn sie nicht gerade weinend vor den abgepackten Babymöhrchen stehen? Fragen, die ich so nicht beantworten kann. Was uns zu meiner heutigen Klausur bringt. Dazu nur ein Artikel, der sich von Zeit zu Zeit jedoch auch ganz fabelhaft als Adjektiv nutzen lässt: Hurensohn.

Während in mir die Gewissheit reift, irgendwann als komplett wahnsinnige Katzenfrau einen Tiermessihaushalt in Bottrop zu führen (unter Umständen in Kooperation mit RTL2), bröckelt mir die Maske vom Gesicht. Ich fühle mich wie eine antike Statue. Ich bin Ägypten. Ich bin Kleopatra! Wo ist mein Schwimmbecken voller Stutenmilch? Wo ist mein dressiertes Frettchen? Wieso bekomme ich nie das, was ich möchte und was soll dieser total alberne Sommertrend („Mädchen“ In- und Out-Liste, anyone?), dass jeder ansatzweise sexuelle Mann in einer Beziehung ist?

Ich glaube, ich gucke mal was der Wodka im Eisfach macht. Tandaradei, YOLO, Carpe Diem und was ihr hippen Motherfucker momentan sonst noch so bei Tumblr postet.

Ain’t nothing changed but the Grafikleistung.

Wow. Hip Hop.

Nach dieser schmissigen Einleitung, die euch vor Freude die Tränen in die Augen treibt und somit vergessen lässt, dass ich Blogmäßig zuletzt ein bisschen unmotiviert und faul war: weiter im Text. Ich hörte dereinst, gestern, aber „dereinst“ ist ein wunderschönes Wort, einen Podcast über den Supernintendo von Männern im perwollverwaschenen Alter zwischen Nicht-mehr- und schon-wieder-geil (28-40, frech geschätzt). Natürlich habe ich nicht die kompletten tausend Stunden gelauscht, weil ich im Allgemeinen der schlechteste Zuhörer der Welt bin, aber doch lange genug um sagen zu können: Ich hasse sie. Ich HASSE Leute, die in ihrer Kindheit respektive Jugend von ihren Eltern Spielekonsolen geschenkt bekommen haben. Der Neid frisst mich von innen heraus auf und ich habe dieses Kindheitstrauma, eines der vielen, schluchz, jammer, vielleichtmalanspiegeltvschreiben, bis heute nicht überwunden.

Ich hatte eine sehr ökologisch vertretbare Kindheit. Mit Holzspielzeug, Grünkernbratlingen, Sailor Moon-Verbot und Rohrzucker-Düsis (das sind die mongoloiden Adoptivbrüder von Cornflakes). Das führte zum einen dazu, dass ich schon früh lernte wahnsinnig kreativ zu sein und deshalb auch heute der lustigste und faszinierendste Mensch der Welt bin. Zum anderen lebte ich aber in permanenter Trauer und führte zu Supermario eine Romeo und Julia-hafte On-Off Beziehung, immer Abhängig von Wohlwollen meiner beiden Konsolen-Schulfreundinnen. Statt „Supermario“ hätte ich im vorhergehenden Satz fast „Sperma“ geschrieben. Ich weiß nicht warum.

I. und K., besagte privilegierte Zockermädchen befanden sich im Besitz eines Supernintendos (I.) sowie einer Playstation 1 und gehörten außerdem zu den Kindern, die ihren Eltern entweder egal waren, oder mit der hartarbeitenden, alleinerziehenden Mutter zusammen lebten. Für jemanden wie mich, der früher immer gespielt hat, als Waise den Reiterhof seiner Eltern zu erben, die ideale Familiensituation. Nach der Schule konnte man sich nicht nur selbst vorgekochte Spagetti Bolognese warmmachen, nein, es gab außerdem Milchschnitte (!!!) und die Option, stundenlang „Dragon Ball Z“ oder „Yoshi’s Story“ zu zocken und was soll ich sagen… Es war wunderschön. Auch heute noch lade ich mich bevorzugt bei Menschen mit Konsolen ein, mittlerweile aber, um betrunken und sehr aggressiv „Red Dead Redemption“ zu spielen. Sobald ich aber wieder zuhause bin, bei der verstaubten Playstation 2 und dem stark mitgenommen N64, bricht die Fassade zusammen. Holztiere, Kirschkernkissen, Eurythmie – mein Kopf droht zu explodieren, meine Hände zittern unkontrolliert, wie elektrisiert kratze ich mir das Gesicht blutig. Der Schmerz lodert wieder auf. Nichts hat sich geändert seit 1999. Nur die Grafikleistung.

Melancholische Tränen der Erinnerung fluten über mein feistes Gesicht, während ich leise wimmernd zu „Nothing Else Matters“ hin und her schunkle. Hach, Kindheit. Du Zeit des reinen Glücks und der ersten, zaghaft blühenden Profilneurosen.