Mass Effect und warum Lionel Richie ein kranker Soziopath ist

Ich liebe Mass Effect. Des Weiteren beginne ich Blogeinträge gerne mit kurzen Sätzen, weil ich mir damit irgendwie schnittig und aufregend vorkomme und da ein guter Zauberer nie seine Tricks verrät, wäre ich neben all den vielen anderen Dingen, die mich zu einem ultimativen Versager machen, zusätzlich auch noch ein sehr schlechter David Copperfield. Was vielleicht nicht schlimm ist, denn wenn ich im erweiterten Zirkusumfeld jemals irgendetwas sein wollte, dann einer von diesen krassen Tierdompteuren, die im eleganten Zweireiher durch Reihen aus fauchenden Wildkatzen und schnaubenden, ausschlagenden Hengsten flanieren und dabei so unbewegt wirken, als würden sie gerade nach einem durchsoffenen Wochenende die Pfandflaschen wegbringen. Nur eleganter.

Was ich als Kind außerdem auch immer werden wollte ist Astronaut und ich glaube, dafür muss ich meinen Vater verantwortlich machen. Neben der Tatsache, dass er mich von Kindesbeinen an auf Motorsport, Reinhold Messner-Gedächtnisfilme, Loriot und James Bond getrimmt hat, habe ich außerdem eins zu eins seine Begeisterung für alles, was den Weltraum betrifft, übernommen.  Und nach all den Jahren, in denen ich einerseits gerne mit ihm die neuen Star Wars Filme im Kino geguckt habe (ich gehe mit meinem Vater im Allgemeinen sehr gerne ins Kino. Wenn wir auch sonst die ein oder andere Meinungsverschiedenheit haben mögen, treffen wir uns dann doch meistens bei Filmen), andererseits für uralt Science Fiction-Serien, die er sich nach Jahren der sepiafarben Erinnerungsschübe auf DVD besorgt hat, eher weniger Begeisterung aufbringen konnte, habe ich nun etwas weltraumaffines gefunden, mit dem ER wohl  eher weniger anfangen kann. Eine Videospieleserie, die ihr alle schon tausendmal durchgespielt habt, auf die ich aber erst jetzt gekommen bin, weil mir neue Sachen immer zu teuer sind und ich deshalb alles mindestens zwei Jahre zu spät spiele.

(Vollkommen unsinnig habe ich den Spannungsbogen ins geradezu Groteske überreizt. Im Endeffekt wurde alles im Eingangssatz verraten.)

Mass Effect sollte ursprünglich mein Ritalin für den von BioWare erzwungenen (JA! Ganz recht! Blutend liege ich zu euren Füßen darnieder und fordere den dritten Teil!) Dragon Age Entzug sein. Und was soll ich sagen: überrascht ob meiner Fähigkeit für derart aufblühende Gefühle muss ich verkünden, dass ich verliebt bin. Colin Farrell, du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben, aber du trägst einfach keinen Raumanzug der Normandy. Sorry.

Was so toll ist? Neben einem komplexen, durchdachten Spieleuniversum (haha. Universum. Halt echt.), super Dialogen, Charakteren und ordentlich Rumschießerei? Man kann mit fast jedem lebenden Organismus auf dem Raumschiff Sex haben. Und fühlt sich absurderweise selbst bei jeder Nebenbei-Affäre dazu gezwungen, sich moralisch korrekt zu verhalten. Eine Sache, die ich in meinem Privatleben so nie gebacken kriege. Während ich also Planeten scanne, Crewmitglieder verführe und den gesamten Orbit rette, verlottert meine Wohnung zusehends, der Kühlschrank bleibt leer und teilweise kommt es sogar vor, dass ich eine komplette Woche lang den selben Nagellack trage. Einerseits wäre es also durchaus wünschenswert, dass ich die Mass Effect-Trilogie endlich durchhabe, andererseits fürchte ich mich schon jetzt vor der bodenlosen Leere, die mich nach Beendigung dieses Meilensteins der spielbaren Cyper Opera aufsagen wird.

Ach ja: Ist euch eigentlich mal aufgefallen, wie zynisch und böse es ist, dass Lionel Richie eine BLINDE „Is it me you’re looking for?“ fragt?