Wütende Kleinwüchsige in Aspik. Mit Senf.

Ich glaube es ist die Hölle, mit mir in einem Vortragsteam zu sein. Es reicht nicht, dass ich Dinge immer erst auf den letzten Drücker machen kann und  trotzdem alles genau so haben will, wie ich mir das gedacht habe (Gruppenarbeit ist für schwache Menschen. Evolutions-Versager, die alleine nicht durchsetzungs-, geschweige denn überlebensfähig wären). Nein, ungefähr fünf Tage vor dem Referatstermin setzt bei mir außerdem die „Ich beschäftige mich jetzt mehr als oberflächlich mit dem Thema, stelle fest, wie sehr ich es hasse und kriege zwei bis 15 Wutanfälle, die sich nur durch Alkohol, Zigaretten und Playstation-Geballere mindern lassen“-Phase ein. Was für meinen Vortragspartner bedeutet, dass ich sie, gerne auch mitten in der Nacht, mit wahnsinnig wütenden Whatsapp-Nachrichten abfucke.

Kennt ihr diese Szenen in irgendwelchen dramatischen Action-Filmen, wenn kurz bevor die außerirdische Bedrohung den letzten Rückzugspunkt der Menschheit erreicht, alle Zugänge geschlossen werden? Diese Tore, die mit einem lauten Knall zugehen und jeglichem feindlichen Feuer oder irgendwelchen Urzeitmonstern standhalten? Gut. Die außerirdische Bedrohung ist der Referatsstoff, die Menschheit mein Gehirn. Ich weigere mich, auch nur das kleinste Bisschen Information aufzunehmen, werde stattdessen immer wütender und trete bühenreif Dinge um, die zumeist auch noch eine Kettenreaktion der Zerstörung auslösen. Meistens endet das mit kaltem Kaffee auf meinem dunkelblauen Teppich.

Es ist nicht so, dass ich es nicht verstehen KANN. Wenn ich will, kann ich mir die absurdesten Zahlenkombinationen der Welt über Jahre hinweg merken. Wenn ich will, kann ich sämtliche random generierten WLAN-Schlüssel meiner ehemaligen Wohngelegenheiten aufzählen.  Ich will aber nicht.

Mittlerweile glaube ich, dass das „Brain Unlocked“-Schild erst dann wieder aufleuchtet, wenn eine angemessene Aufbereitung des vorzutragenden Themas zeitlich eigentlich gar nicht mehr möglich ist. Umso absurder eigentlich, dass es mir keinerlei Probleme bereitet, schon eine Woche vorher erste Designvorschläge für die PowerPoint-Präsentation auszuarbeiten. Womöglich schlummert tief in mir eine Künstlerseele, die nur darauf wartet, ihr hässliches Haupt aus den Tiefen meines feisten Leibes zu erheben.

Eine Ausnahme des beschriebenen Wutstufen-Ablaufes wäre vielleicht dann denkbar, wenn das Thema direkt meinem Leben entnommen ist respektive auf den Punkt genau persönliche Interessen von mir trifft. Da ich bisher allerdings noch kein Referat über Alkoholmissbrauch oder Aggressionsprobleme mit eklatant häufig auftretenden Tobsuchtsanfällen halten durfte, bleibt dies eine reine Hypothese.

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