Katzenminze – das Koks der Sozialphobiker

Wir waren vergangenen Sonntag auf einer Katzenschau. Ich schreibe bewusst „Schau“, denn die deutsche Sprache ist wunderschön und betont an dieser Stelle die tiefgreifende Dramatik des Dargebotenen. Eigentlich wollten wir zu mehreren Personen hin, je näher der Termin rückte, umso mehr reduzierte sich das Unternehmen auf den harten Katzenverachter-Kern. N. und mich.

Die Ausgangslage war die Folgende: Sonntagmittag. Unfassbarster Schneesturm seit Ewigkeiten. Minus Fünftausend Grad. Hart restalkoholisiert. Die Gewissheit, nachdem man mit dem REGIONALEXPRESS in Rangsdorf angekommen ist, noch 1,9 Kilometer durch die geschlossene Schneedecke bis zum Hotel Seebad Casino (…) stapfen zu müssen. An dieser Stelle erwähne ich es noch mal: Es hat sehr stark geschneit. Warum wir das alles auf uns genommen haben, wenn wir Katzen doch so wahnsinnig scheiße finden? Tja. Manche Dinge hasst man so sehr, dass man auch wieder anfängt sie zu lieben. Zum Beispiel schlechte Groschenromane, in denen Ärzte ihre Schwägerin für die Arzthelferin verlassen, die ständig mit bebender Brust irgendwo steht und errötet.

Wir waren also dementsprechend euphorisch, als wir uns Meter um Meter mehr von der Zivilisation entfernten – ein garstiger Beobachter würde vielleicht behaupten, wir haben hysterisch gelacht und dabei geweint, weil wir unsere letzten Hirnzellen wenige Stunden zuvor an der Bar unseres Vertrauens gegen Bier getauscht hatten. Irgendwann im „Casino“, ich glaube so wird es unter Rangsdorf-Kennern wissend genannt, angekommen, wurden wir dann wie wahre Katzenprinzessinnen unentgeldlich an der Kasse durchgewinkt und betraten die heiligen Hallen.

Es roch nach nassem Fell, ungewaschenen Sozialphobikern und Katzenscheiße. Menschen bürsteten motzige Perserkatzen. Russen und Franzosen teilten sich Plätzchen neben Katzenminze-Beuteln. Mitvierzigerinnen mit irren Augen schlugen ihren Tieren manisch Stäbe mit Flußen an der Spitze ins Gesicht – ein Ritual, was bei den Jurybewertungen wiederholt wurde und anscheinend elementar wichtig für die Qualitätseinordnung einer Rassekatze ist. In einem Satz: Es war wundervoll.

Auf dem Heimweg, und man möge es nicht glauben, der Schneefall hatte sich noch verstärkt, waren wir dann deutlich weniger euphorisch. Vielleicht, weil der Alkohol mittlerweile vollständig aus unserem Blutkreislauf verschwunden war, eventuell lag es aber auch an dem Typ, der mit uns im Abteil saß und dessen riesige Schusswaffe locker lässig aus seiner Jackentasche ragte. Bestimmt war es ein sehr leger angezogener Polizist im Dienst. Bestimmt. Wer noch mehr beeindruckende Bilder von der Schau sehen möchte, die anscheinend vom Katzenverein CRYSTAL PALACE CATS ausgerichtet wurde, der klicke HIER und labe sich an den wunderschönen Fotos der zauberhaften N.

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