Deine Mutter. Der kiffende Bodensatz dieser Gesellschaft.

Unter Musikhörern bin ich mehr so der Typ des hängengebliebenen Kiffers, der stundenlang komplett apathisch auf seiner Couch hängt, ohne sich zu bewegen. Unterschied zu mir: Ich bin euphorisch apathisch.  Meine Nachbarn müssen mich hassen. Wenn ich nicht gerade technische Geräte oder meinen Bronzening Powder anschreie, höre ich nämlich Sachen im Loop. Heute war es „Demons“ von A$ap Rocky. Warum? Keine Ahnung.

Dies ist also der erste Verlegenheitsblogeintrag seit zwei Wochen und an dieser Stelle möchte ich erwähnen: Aus Gründen! Ich hatte zu tun. Meine Leber und ich waren überaus beschäftigt und bis jetzt ist noch nicht ganz klar geworden, wer aus dieser allgemeinen Produktivität weniger geschädigt hervorgegangen ist. Das wird wohl die Zukunft zeigen und ich werde mich in 32 Jahren an diesen Tag zurückerinnern und mir denken „Ach, wie schön war die liebliche Ungewissheit!“, während ich Blut spuckend meiner Exotic Shorthair Katze Tribals ins Fell bürste.

Ich arbeite jetzt wahnsinnig umständlich die vergangenen zwei Wochen auf. Beziehungsweise die „Highlights“. High-Lights. Hahahahaa. Haaaa. Fangen wir mit vergangenem Mittwoch an.

Eigentlich wollten wir einfach frech die Uni schwänzen, um im Computerspielemuseum rumzuhängen. In Berlin fanden nämlich die Games Tage statt, an denen normalerweise nur wahnsinnig wichtige oder wahnsinnig gutsituierte Leute teilnehmen. Am (und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage:) BESTEN Museum der Welt war allerdings ein Pavillon aufgebaut, in dem man die Spiele zocken konnte, die für den Deutschen Computerspielepreis nominiert waren (dazu komme ich später noch). Als wir dort mäßig attraktiv aufkreuzten, stellte sich allerdings heraus, dass das gerade alles erst eröffnet wurde und es demzufolge ein ausgesprochen großes Hallo gab. Was soll ich sagen. Es gab Schnittchen. Es gab langatmige Reden von Menschen in Jacketts. Es gab Wein umsonst. Und es gab besagte Spiele.

Weil ich ja so gerne auf mich aufmerksam mache, habe ich es dann auch direkt geschafft, den ersten Controller, den ich in die Hand bekam, zu zerlegen. Jeder wird verstehen, dass ich mich, beschwert von der unendlichen Scham, im Anschluss wahnsinnig schnell betrinken musste. Hat außerordentlich gut geklappt, mit glasigen Augen hörte ich anschließend noch Leuten mit schweizerischem Akzent zu, wie sie über Videospiele philosophierten und nach circa 52 gerauchten Zigaretten hatten wir plötzlich Listenplätze für die Aftershowparty des Deutschen Computerspielepreises.

Die fand am Donnerstag im Umspannwerk Alexanderplatz statt, das wir nach gefühlten 97 Kilometern in hohen Schuhen dann tatsächlich auch fanden. Es gab… kein Essen. Es gab viele ergraute Männer. Es gab Cosplayer. Es gab Wodka Energy. Es gab einen Nintendostand. Es gab fast eine Eskalation. Ich weiß nicht, ob irgendjemand von euch schon mal versucht hat, nach dem sechsten Longdrink irgendetwas in 3D zu spielen. Grenzerfahrungen wie diese hatte bisher wohl nur Roberto Blanco im Darkroom. Unabhängig davon, dass ich auch nüchtern kein sehr ausgeglichener Mensch bin, sobald ich irgendetwas Controllermäßiges in der Hand halte, duplizierte sich meine ohnehin lachhafte Reaktionsfähigkeit minus 1983084309483024. Zu verlieren ist schon ziemlich schön, noch fantastischer wird es allerdings, wenn jemand wahnsinnig gutgelauntes neben einem sitzt und Sachen sagt wie „Boah, krass! Ich habe den Highscore gebrochen! Das macht ja voll Spaß!“.

Mit zitternden Händen und zuckenden Augenlidern legte ich betont vorsichtig dieses… Ding zurück und verabschiedete mich für die kommenden tausend Stunden in Richtung Bar, wo ich Computerspielemenschen dazu zwang, sich mit mir über Wendyegoshooter, Helge Schneider und Brüste zu unterhalten. Klingt nach perfektem Smalltalk? Ja, finde ich auch! Irgendjemand hat dann noch getanzt. Menschen haben gefreestyled. Ein karrieremäßig sehr erfolgreicher Mensch sang für uns und begleitete sich dabei selbst auf der Gitarre – es war zauberhaft.

Dann sind noch andere Sachen passiert, aber ich habe keine Lust mehr zu schreiben. Schon wieder alles so anstrengend hier. Ich krieche zurück auf meine Couch und höre weiter „Demons“. Melusine und Cheerio, Brüder.

Asiatische Penisse in Essigtöpfen

HA!! Ich schreibe wieder einen Blog. Weltfraulich reiche ich mir zum lang angekündigten Schaffensprozess Rotwein (den Guten) und versuche in regelmäßigen Abständen durch die Gesichtshaut mein stetig zurückgehendes Zahnfleisch zu ertasten. Es ist unmöglich, denn ich habe Parodontose. Erschöpfend detailliert könnte ich an dieser Stelle noch erwähnen, was ich gerade trage, warum es schwierig ist, den genauen Korallton meines Nagellacks zu bestimmen und weshalb bei meinem Teint nach wie vor nicht angekommen ist, dass die Pubertät mit 23 langsam mal zu Ende ist. Aber ich bin weder J.R.R. Tolkien (ist es eigentlich der pompöseste Autorenname aller Zeiten?), noch ein hippes Modeblog-Mädchen und deshalb unterlasse ich es.

Den eigentlichen Antrieb dafür, nach all der Zeit, den Jahren, man möchte fast sagen Epochen, in denen sich das Antlitz der Welt so unwiderbringlich verändert hat und nur die stetig fließenden Tränen indischer Nike-Kinder die einzige Konstante der Menschheit geblieben sind, mal wieder was zu schreiben: Eine Bekannte und ich besuchten heute die Berliner Bratwurstmeisterschaft. Weil wir beide wahnsinnig sind und uns sowieso schon von der Gesellschaft verstoßen fühlen. Womöglich zu Recht.

Diese Veranstaltung also, die nicht nur den besten Namen der Welt hat, sondern uns auch den sehr optimistischen Irrglauben ins Hirn pflanzte, es gäbe für den einen Euro Eintritt zumindest IRGENDETWAS umsonst, lockte uns aus unserem Todesghetto Neukölln in das intensiv begrünte, gar friedlich anmutende Dahlem. Uns und den kompletten anderen Abschaum Berlins. Da wurden Lederjacken, absurde Halbglatzen-Variationen, Cowboystiefel und unpassende Gesichtsfarben getragen das es eine wahre Freude war. Feiste Männer deepthroateten riesige Rostbratwürste, während ihre angetrauten Gebärmaschinen nicht nur sämtliche mitgezerrten Rotzbälger, sondern auch kleine Töpfe mit eingelegten Gurken (auf deren Länge und Umfang jeder Asiate neidisch wäre) auf ihren Armen balancierten.

Nachdem wir alle auf der Domäne Dahlem lebhaften Tiere (Schafkinder, die ihre unter einem Wasserwagen feststeckenden Geschwister vergewaltigten, todesdepressive Ponys, mehrere Kühe mit eklatanter Inkontinenz) angemessen euphorisch und entzückt angeschrien hatten, kamen die Veranstalter schließlich zur langersehnten Preisverleihung. Bei der Nennung der siegreichen Fleischermeister gab es ein großes Hallo. Insbesondere von mehreren stark angetrunkenen Franken hinter uns. An dieser Stelle möchte ich kurz einwerfen, dass ich persönlich keinen wahnsinnig großen Aufriss um einen Preis gemacht hätte, wenn ich der einzige Nominierte in besagter Kategorie gewesen wäre. Aber das nur am Rande. Nicht jeder kann so eine bescheidene, in sich Ruhende und asketisch lebende Person sein wie ich. Ihr solltet es aber zumindest versuchen!

Der spektakulärste Preis war sicherlich der für die „Kreativste Bratwurst“, dessen Auswahlverfahren höchstwahrscheinlich daraus bestand, dass mehrere mongoloide Affen ohne Augen und Gliedmaßen mit ihren Holzprothesen willkürlich auf eine Wurst getippt haben. Denn niemand, wirklich NIEMAND kann freiwillig Kreationen wie „Mango-Chilli“ oder „Marzipan-Mangold“ in einem Tierdarm zu sich nehmen wollen. Nachdem sich die euphorischen Massen schließlich mit Tränen in den Augen lagen und die ersten Bratwurst-Groupies neben der Bühne auf die siegreichen Heroen warteten, fanden wir, nun sei der richtige Zeitpunkt zu gehen. Wir sind uns sicher: Es ist noch richtig eskaliert.