Tofu, das Oblivion der Nahrungsmittelindustrie

Ich habe mir Tofu gekauft. Ein Satz, der ähnlich unheilschwanger und, jetzt weiß auch ich es besser, DUMM klingt wie „Hey, ich glaube ich gehe diesen nach einem brutalen Kettensägenmord klingenden Geräuschen nach“ oder „Wir sind hilflose, unbewaffnete Cheerleaderinnen. Warum teilen wir uns nicht auf und erkunden die gruselige Hütte im Wald alleine?“. Nach mehrminütigem fassungslosen Schweigen wird sich euch die Frage nach dem Warum stellen. Nun denn.

Ich dachte es wäre irgendwie cool und gesund und würde meine tierliebende Ader unterstreichen, wenn ich weniger Fleisch esse. Da ich momentan auf der „Ich nehme Kohlenhydrate nur noch in flüssiger Form zu mir“-Diät bin, ist das Nahrungsangebot als solches relativ beschränkt und weil Tofu außerdem den Cholesterinwert im Körper nicht erhöht, dachte ich irgendwie, es wäre eine gute Idee. Ich mariniere den Tofu also ausgiebig und selbstsicher. Ich brate ihn und freue mich richtiggehend auf diesen vermeintlichen Fleischersatzstoff. (An dieser Stelle muss eingeworfen werden:  NICHTS kann Fleisch ersetzen. Fleisch schmeckt wundervoll. Besonders blutig. Ich würde mein Erstgeborenes gegen ein Rinderfilet-Bündel des gleichen Gewichts eintauschen und es nicht eine Sekunde bereuen.) Ich richte den goldbraunen Tofu an Rucola-Salat mit Tomaten an, nehme einen Bissen und habe das Gefühl, mit meiner Zunge in einer Endlosschleife „The Elder Scrolls Teil 1 bis Fünfmillionen“ gefangen zu sein. Es ist widerlich. Nein, es ist grotesk.

Während ich also an meinem pseudoveganen Gutmenschentum würgend die 240 Euro Neben- und Energiekostenachzahlung überweise, fällt mir außerdem auf, dass ich aus unerfindlichen Gründen getrocknetes Blut an der Hand habe, und obwohl heute sogar mein eines Seminar ausgefallen ist, hasse ich diesen Tag.

Was ich außerdem hasse: Musikreviews schreiben. (Entschuldigt, das war der Gerhard Delling in mir) Wer diesbezüglich mehr erfahren möchte, klickt einfach auf untenstehendes Bild und liest den Artikel, den ich für Noisy aka die Musikseite von vice.com geschrieben habe.

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Deine Mutter. Der kiffende Bodensatz dieser Gesellschaft.

Unter Musikhörern bin ich mehr so der Typ des hängengebliebenen Kiffers, der stundenlang komplett apathisch auf seiner Couch hängt, ohne sich zu bewegen. Unterschied zu mir: Ich bin euphorisch apathisch.  Meine Nachbarn müssen mich hassen. Wenn ich nicht gerade technische Geräte oder meinen Bronzening Powder anschreie, höre ich nämlich Sachen im Loop. Heute war es „Demons“ von A$ap Rocky. Warum? Keine Ahnung.

Dies ist also der erste Verlegenheitsblogeintrag seit zwei Wochen und an dieser Stelle möchte ich erwähnen: Aus Gründen! Ich hatte zu tun. Meine Leber und ich waren überaus beschäftigt und bis jetzt ist noch nicht ganz klar geworden, wer aus dieser allgemeinen Produktivität weniger geschädigt hervorgegangen ist. Das wird wohl die Zukunft zeigen und ich werde mich in 32 Jahren an diesen Tag zurückerinnern und mir denken „Ach, wie schön war die liebliche Ungewissheit!“, während ich Blut spuckend meiner Exotic Shorthair Katze Tribals ins Fell bürste.

Ich arbeite jetzt wahnsinnig umständlich die vergangenen zwei Wochen auf. Beziehungsweise die „Highlights“. High-Lights. Hahahahaa. Haaaa. Fangen wir mit vergangenem Mittwoch an.

Eigentlich wollten wir einfach frech die Uni schwänzen, um im Computerspielemuseum rumzuhängen. In Berlin fanden nämlich die Games Tage statt, an denen normalerweise nur wahnsinnig wichtige oder wahnsinnig gutsituierte Leute teilnehmen. Am (und ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage:) BESTEN Museum der Welt war allerdings ein Pavillon aufgebaut, in dem man die Spiele zocken konnte, die für den Deutschen Computerspielepreis nominiert waren (dazu komme ich später noch). Als wir dort mäßig attraktiv aufkreuzten, stellte sich allerdings heraus, dass das gerade alles erst eröffnet wurde und es demzufolge ein ausgesprochen großes Hallo gab. Was soll ich sagen. Es gab Schnittchen. Es gab langatmige Reden von Menschen in Jacketts. Es gab Wein umsonst. Und es gab besagte Spiele.

Weil ich ja so gerne auf mich aufmerksam mache, habe ich es dann auch direkt geschafft, den ersten Controller, den ich in die Hand bekam, zu zerlegen. Jeder wird verstehen, dass ich mich, beschwert von der unendlichen Scham, im Anschluss wahnsinnig schnell betrinken musste. Hat außerordentlich gut geklappt, mit glasigen Augen hörte ich anschließend noch Leuten mit schweizerischem Akzent zu, wie sie über Videospiele philosophierten und nach circa 52 gerauchten Zigaretten hatten wir plötzlich Listenplätze für die Aftershowparty des Deutschen Computerspielepreises.

Die fand am Donnerstag im Umspannwerk Alexanderplatz statt, das wir nach gefühlten 97 Kilometern in hohen Schuhen dann tatsächlich auch fanden. Es gab… kein Essen. Es gab viele ergraute Männer. Es gab Cosplayer. Es gab Wodka Energy. Es gab einen Nintendostand. Es gab fast eine Eskalation. Ich weiß nicht, ob irgendjemand von euch schon mal versucht hat, nach dem sechsten Longdrink irgendetwas in 3D zu spielen. Grenzerfahrungen wie diese hatte bisher wohl nur Roberto Blanco im Darkroom. Unabhängig davon, dass ich auch nüchtern kein sehr ausgeglichener Mensch bin, sobald ich irgendetwas Controllermäßiges in der Hand halte, duplizierte sich meine ohnehin lachhafte Reaktionsfähigkeit minus 1983084309483024. Zu verlieren ist schon ziemlich schön, noch fantastischer wird es allerdings, wenn jemand wahnsinnig gutgelauntes neben einem sitzt und Sachen sagt wie „Boah, krass! Ich habe den Highscore gebrochen! Das macht ja voll Spaß!“.

Mit zitternden Händen und zuckenden Augenlidern legte ich betont vorsichtig dieses… Ding zurück und verabschiedete mich für die kommenden tausend Stunden in Richtung Bar, wo ich Computerspielemenschen dazu zwang, sich mit mir über Wendyegoshooter, Helge Schneider und Brüste zu unterhalten. Klingt nach perfektem Smalltalk? Ja, finde ich auch! Irgendjemand hat dann noch getanzt. Menschen haben gefreestyled. Ein karrieremäßig sehr erfolgreicher Mensch sang für uns und begleitete sich dabei selbst auf der Gitarre – es war zauberhaft.

Dann sind noch andere Sachen passiert, aber ich habe keine Lust mehr zu schreiben. Schon wieder alles so anstrengend hier. Ich krieche zurück auf meine Couch und höre weiter „Demons“. Melusine und Cheerio, Brüder.