Frauen, die auf Männer in Windeln starren

Mit letzter Kraft tippe ich diese Worte. Schleppend kriechen meine Finger von Taste zu Taste. Mir wird kalt. Ich huste. Mein Haar wirkt splissig. Doch ich muss mich mitteilen, denn große Dinge sind geschehen. Dinge, wie man sie sonst nur in Fancy Fetischblogs vom Vice Magazine präsentiert bekommt.

Es war schätzungsweise halb Neun Uhr morgens, die zauberhafte, sehr jung und frisch aussehende N. und ich waren mittlerweile am hysterisch-aufgekratzten Punkt chronischer Übermüdung angekommen und obwohl es kurz zur Debatte stand, mit abblätterndem Lidschatten und damenhafter Suff-Fahne brunchen zu gehen, entschieden wir uns doch für den Weg nach Hause. Mit der S-Bahn. Der Abend hatte sich, ihr werdet es an der bereits erwähnten Uhrzeit errraten haben, sehr lange hingezogen und beinhaltete neben zwischenmenschlichen Diffamierungen (Et tu, Christian? ET TU?) unter anderem eine hitzige Diskussion mit einem irischen Touristen über die Penisgröße von Colin Farrell, die ich souverän mit dem mehrfach getätigten Ausruf „I saw his sextape!!“ für mich entschied.

Wir hatten also bereits an der Prenzlauer Allee mit diesem Tag und vielleicht auch mit unserem Leben im Allgemeinen abgeschlossen und starrten mit glasigen Augen aus den dreckigen S-Bahn-Fenstern, als Unfassbares geschah. Ich weiß nicht ob ihr das kennt, dass man bei fortschreitender Müdigkeit manchmal nicht sicher ist, ob man sich Dinge einbildet oder sie wirklich passieren. Als also ein Mann Mitte Dreißig, Anfang Vierzig in meinem Blickfeld auftauchte der einen Schnuller trug, war ich kurz unsicher ob ich jetzt komplett wahnsinnig werde.

(kurzer Einwurf: ich setze heute sehr willkürlich Kommas, denn mein Körper stellt gerade nach und nach sämtliche Vitalfunktionen ein, während ich mich etwas hetze, um diesen Text rechtzeitig zu „Schwer verliebt“ fertig zu kriegen.)

Als wir erneut unauffällig in seine Richtung starrten, war der Schnuller spurlos verschwunden, der hochgewachsene WAHNSINNIGE (hier greife ich etwas vor) beschloss allerdings, sich auf die Sitzbank neben uns zu setzen. Es kam zu ungefähr folgender Konversation:

 

Gruseligertyp: „Habt ihr das schon mal gesehen? Also jemanden, der öffentlich Windeln trägt?“

(ungläubiges Starren meinerseits. Ich entdecke über dem Jeansbund den Rand einer pinken Windel mit irgendeinem bunten Kindermuster drauf.)

N.: „Also… Ähm. Nein.“

Gruseligertyp: „Meine Herrin hat mir das befohlen. Ich muss sie den ganzen Tag tragen.“

(meine Mundwinkel zucken unkontrolliert.)

N. (bewundernswert gefasst):  „Es fällt wirklich nicht so auf. Es könnte auch eine… lustige Unterhose sein.“

(ich starre mit weitaufgerissenen Augen aus dem Fenster.)

(allgemeines Schweigen. Wir müssen an der nächsten Station raus.)

Gruseligertyp: „Könntet ihr mich vielleicht was befehlen? Zum Beispiel, dass ich mir in die Windel pissen muss?“

Ich: „BITTE?“

(jetzt zuckt es auch in N.s Gesicht deutlich)

Gruseligertyp: „Einfach befehlen, dass ich in die Hose machen muss oder so.“

N. und ich verneinen und verlassen die Bahn. Erst beim Bäcker, der die trockenste Pide der Welt verkauft das ungenutzte Machtpotential der vergangenen Situation erkennend. Er hätte uns bei Media Markt Bügeleisen kaufen können. Wir hätten auf seinem Rücken nach Hause reiten können. Es wäre ein großer Spaß gewesen. Innerlich zerrissen lag ich anschließend im Bett und bin aus Ärger über die verkannte Situation fast mutwillig an bröseligem Schafskäse erstickt. VIELLEICHT NÄCHSTES WOCHENENDE!

Tofu, das Oblivion der Nahrungsmittelindustrie

Ich habe mir Tofu gekauft. Ein Satz, der ähnlich unheilschwanger und, jetzt weiß auch ich es besser, DUMM klingt wie „Hey, ich glaube ich gehe diesen nach einem brutalen Kettensägenmord klingenden Geräuschen nach“ oder „Wir sind hilflose, unbewaffnete Cheerleaderinnen. Warum teilen wir uns nicht auf und erkunden die gruselige Hütte im Wald alleine?“. Nach mehrminütigem fassungslosen Schweigen wird sich euch die Frage nach dem Warum stellen. Nun denn.

Ich dachte es wäre irgendwie cool und gesund und würde meine tierliebende Ader unterstreichen, wenn ich weniger Fleisch esse. Da ich momentan auf der „Ich nehme Kohlenhydrate nur noch in flüssiger Form zu mir“-Diät bin, ist das Nahrungsangebot als solches relativ beschränkt und weil Tofu außerdem den Cholesterinwert im Körper nicht erhöht, dachte ich irgendwie, es wäre eine gute Idee. Ich mariniere den Tofu also ausgiebig und selbstsicher. Ich brate ihn und freue mich richtiggehend auf diesen vermeintlichen Fleischersatzstoff. (An dieser Stelle muss eingeworfen werden:  NICHTS kann Fleisch ersetzen. Fleisch schmeckt wundervoll. Besonders blutig. Ich würde mein Erstgeborenes gegen ein Rinderfilet-Bündel des gleichen Gewichts eintauschen und es nicht eine Sekunde bereuen.) Ich richte den goldbraunen Tofu an Rucola-Salat mit Tomaten an, nehme einen Bissen und habe das Gefühl, mit meiner Zunge in einer Endlosschleife „The Elder Scrolls Teil 1 bis Fünfmillionen“ gefangen zu sein. Es ist widerlich. Nein, es ist grotesk.

Während ich also an meinem pseudoveganen Gutmenschentum würgend die 240 Euro Neben- und Energiekostenachzahlung überweise, fällt mir außerdem auf, dass ich aus unerfindlichen Gründen getrocknetes Blut an der Hand habe, und obwohl heute sogar mein eines Seminar ausgefallen ist, hasse ich diesen Tag.

Was ich außerdem hasse: Musikreviews schreiben. (Entschuldigt, das war der Gerhard Delling in mir) Wer diesbezüglich mehr erfahren möchte, klickt einfach auf untenstehendes Bild und liest den Artikel, den ich für Noisy aka die Musikseite von vice.com geschrieben habe.

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