Gedanken aus dem Exil – mit Thomas Hayo und Colin Farrell (!!)

Behutsam puste ich den Staub von der Tastatur meines Laptops, der leise, beinahe fröhlich, gequietscht hat, als ich ihn aufklappte. Lange, so lange habe ich keinen Blogeintrag mehr auf ihm getippt. Stattdessen habe ich mich in die Wälder Brandenburgs zurückgezogen und mit Tieren gelebt. Monate, in denen ich kein einziges Mal meine Augenbrauen zupfen musste und mich ausschließlich von gepökelten Baumrinden und getrocknetem Moos ernährt habe. Es war so schön.

Nein, das war natürlich gelogen. In der Realität liege ich in irgendeinem elektrolythaltigen Sud, Stromschläge lassen meine Gliedmaßen zucken und nur der stetig nachsickernde Schaum vor meinem Mund gibt Zeugnis davon, dass ich noch am Leben bin. „Herzlich willkommen im vierten Semester, Sucker!“ steht auf einem schlecht bedruckten Spruchband über meiner sargähnlichen Kabine und ich frage mich, warum es nicht vom deutschen Staat gesetzlich festgelegt werden kann, dass jeder Mensch ohne das kleinste Bisschen an ästhetischem Empfinden zumindest Helvetica verwenden muss.

Auch das stimmt nicht, aber wir nähern uns der Wahrheit. Mein Studium frisst mich auf und der Stress fängt an, mich zu verändern. Ich liege lieber stundenlang im Bett und starre bewegungslos und ohne zu Blinzeln die Wand an, als am Wochenende durch die Clubs zu ziehen. Ich trinke morgens Earl Grey und grünen Tee, während ich unter Herzrhythmusstörungen panisch meine Mails checke und hoffe, dass niemand etwas von mir möchte. Ich besitze jetzt ein Handrührgerät.

Aus werbetechnischen Gründen hier ein Einschub: zwei wunderschöne Frauen und ich spielen hart besoffen Videospiele – die Sendung. „Wein und Wummen“ macht Peniswitze und ist im allgemeinen das investigativste und tiefschürfendste seit Kai Diekmanns letzter Darmspülung. Guckt es euch HIER an!

So viel zu den guten Nachrichten. Im Folgenden will ich euch stichpunktartig erläutern, was in den kommenden Monaten nicht passieren wird:

  1. Ich werde entgegen aller Gerüchte nicht mit Colin Farrell auf eine Pferde- und Alpaca-Ranch ziehen, nachdem wir in Kartoffelbrei (mit Stückchen) geheiratet haben. Wir haben uns einvernehmlich getrennt, nachdem er meine Liebe leider nicht erwidern konnte und mit der Kugel im Bein hätte er die Felder sowieso nicht bestellen können.
  2. Thomas Hayo hat sich bisher noch nicht dazu bereiterklärt, bei einer von mir geschriebenen Sendung über sein Leben mitzuwirken, in der er ausschließlich über sich selbst in der dritten Person spricht und auch seine Bauchbinden-Texte selbst schreibt.
  3. Ich werde nicht bei der diesjährigen Splash-Lesebühne wahnsinnig intime und interessante Dinge breittreten, weil ich viel lieber in der Uni hocken und Projekte präsentieren möchte. Sollte die Situation eskalieren und mehrere Tote fordern: das Spiel „Oblivion“ aus der Elder Scrolls Reihe ist schuld und sollte dementsprechend umgehend verboten werden.

Danke für die Aufmerksamkeit.

stop breaking my heart, videospiele!

Ich wusste, der Moment würde kommen. Ich dachte nur, ich hätte noch mehr Zeit, mich emotional darauf vorzubereiten.  Wir sind doch noch so jung, Vaas! Wir sind doch noch so jung. Was ist gestern geschehen, werdet ihr euch fragen (Ich stelle mir vor, wie ihr dabei Kekse esst und immer, wenn euch der Mund fassungslos ein bisschen weiter offen stehen bleibt, sprüht ihr beim Ausatmen Krümel auf eure Plastik-Vintagehemden von Primark) und ich werde es euch nun mitteilen. Mit angemessener Dramatik.

Ich habe die vergangenen Wochen/Monate damit verbracht, „Far Cry 3“ zu spielen. Ja, ist schon seit Ende letzten Jahres raus und ihr habt es schon alle durch, aber ihr seid auch 14, habt kein Leben und müsst in Einzelfällen wahrscheinlich noch nicht mal eure Laken selbst wechseln, ihr alten Bettnässer. Ich habe also freie ungestörte Stunde mit meinem Controller im Bett verbracht (Playstation-Love is true Love) und die letzten tausend nicht erlebten Karibikurlaube meines Lebens kompensiert. Hirsche mit Pfeilen erlegen, in Unterwasser-Grotten tauchen, mit einem Gleiter gegeben Gebirgsmassive fliegen, lauschige Stunden am Strand mit meiner AK-47 verbringen und Granaten auf Bären werfen. Es war wundervoll und ich habe es geliebt. Ab und an habe ich dann auch eine der Hauptmissionen gemacht, in denen ich als unsympathischer Collegeboy Jason Brody mit Hollywoodfreundin (sie heißt Liza, kann nicht mit Schaltung fahren, will in unangebrachten Situationen über ihre Exfreunde reden und ruft einen an, während man C4-Ladungen an Lastwagen befestigt) meine gekidnappten Freunde retten muss.

Während man sich anfangs noch denkt, dass diesbezügliche Rache an den Menschenhändler-Piraten vielleicht nicht unangebracht ist. Nach mehreren Spielstunden kann ich aber ganz klar sagen: Ich hasse jedes einzelne dieser amerikanischen Richkids und würde sie mit Freuden und ohne jegliche moralische Bedenken wahlweise Abknallen oder als Keller-Sexsklaven an bärtige Exilaustralier verkaufen – das denke ich mir nicht aus, das kam exakt so im Spiel vor. Dementsprechend hohe Sympathiewerte hat bei mir der Nebenantagonist Vaas, der mir vielleicht nur deshalb nicht so verrückt vorkommt wie er wirken soll, weil ich aus psychologischer Sicht selbst ziemlich abgefuckt bin und außerdem eine Schwäche für Männer mit Suchtproblem habe. Nach knapp der Hälfte aller Hauptmissionen soll man dann genau diese Person, angestachelt von dessen Hurenschwester, die für die grenzdebilen Inselbewohner so eine Art Göttin ist, umbringen und an dieser Stelle möchte ich sagen: NEIN UBISOFT, DAS WILL ICH NICHT!

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Es reicht mir im Allgemeinen, dass in quasi allen Videospielen die ich wirklich mag, früher oder später der Punkt kommt, an dem die Charaktere sterben, die mir sympathisch sind. (Denkt euch an dieser Stelle eine Spoiler-Warnung)

Aktuellstes Beispiel außer dem hier genannten ist die „Mass Effect“-Reihe. Durch eine Vielzahl an abgefuckten Drecksentscheidungen, die ich anscheinend unbewusst gefällt habe, sind mir nach und nach nahezu alle meiner Lieblings-Teammitglieder weggestorben. Dafür gab es dann in Teil 3 ein Wiedersehen mit u.a. Motz-Jacob, der mit mir nie über Privates reden wollte, dessen neue Flamme ich aber direkt mal aus den Klauen einer terroristischen Organisation befreien darf, nur um dann mitgeteilt zu bekommen dass sie schwanger ist. Für solche Leute möchte ich die Galaxie nicht retten!

Weniger ärgerlich, dafür psychisch tiefschürfender war mein unfassbarer Erfolg beim Spielen von „Heavy Rain“. Die vier spielbaren Personen können nach und nach wegsterben, die Story kommt allerdings trotzdem zum Schluss. In Anbetracht der Tatsache, wie virtuos ich es geschafft habe, wirklich JEDEN bis auf den Mörder umzubringen, hätte ich eigentlich ein Zusatz-Achievement verdient gehabt.

Zu diesem Zeitpunkt war ich innerlich aber schon ziemlich abgestumpft, schließlich hatte mich das Ableben von John Marston in „Red Dead Redemption“ emotional bereits komplett zerstört. Wütend bin ich danach mit seinem Sohn, dessen Stimme klingt als hätte man ihm die Nase mit dem Lebenswerk von Stefanie Meyer gebrochen, durch die Lande geritten, habe ihn gerächt und ich schäme mich nicht an dieser Stelle zuzugeben, dass ich dabei Tränen in den Augen hatte.

Zurück zu „Far Cry 3“. Ich habe gedacht, ich würde es schaffen. Ich möchte das Spiel ja auch wirklich weiterspielen, vor allem, weil man am Schluss die Möglichkeit eines Endes gegeben ist, bei dem Jason Brody (ICH HASSE DICH, JASON BRODY!) stirbt. Ich hatte es sogar schon bis ins Piratenlager geschafft, in dem es so viel Graffiti gibt, dass Damion Davis mit Tränen in den Augen über seinen „A.C.A.B.“-Pulli streicheln würde. Aber dann konnte ich es einfach nicht tun – und wurde von einem Tiger angesprungen. Ein Zeichen, dass es einfach nicht passieren soll, dachte ich mir und habe die Playstation ausgemacht.

(P.S.: Ich mache jetzt erst mal mit „Dead Space 3“ weiter und warte darauf, dass der Schmerz nachlässt.)

(P.P.S.: Warum trägt Inselbewohner-Dennis, der einen noch öfter anruft als die eigene Freundin, eigentlich immer diese alberne Nerd-Brille? Er sieht blöd damit aus.)

Mass Effect und warum Lionel Richie ein kranker Soziopath ist

Ich liebe Mass Effect. Des Weiteren beginne ich Blogeinträge gerne mit kurzen Sätzen, weil ich mir damit irgendwie schnittig und aufregend vorkomme und da ein guter Zauberer nie seine Tricks verrät, wäre ich neben all den vielen anderen Dingen, die mich zu einem ultimativen Versager machen, zusätzlich auch noch ein sehr schlechter David Copperfield. Was vielleicht nicht schlimm ist, denn wenn ich im erweiterten Zirkusumfeld jemals irgendetwas sein wollte, dann einer von diesen krassen Tierdompteuren, die im eleganten Zweireiher durch Reihen aus fauchenden Wildkatzen und schnaubenden, ausschlagenden Hengsten flanieren und dabei so unbewegt wirken, als würden sie gerade nach einem durchsoffenen Wochenende die Pfandflaschen wegbringen. Nur eleganter.

Was ich als Kind außerdem auch immer werden wollte ist Astronaut und ich glaube, dafür muss ich meinen Vater verantwortlich machen. Neben der Tatsache, dass er mich von Kindesbeinen an auf Motorsport, Reinhold Messner-Gedächtnisfilme, Loriot und James Bond getrimmt hat, habe ich außerdem eins zu eins seine Begeisterung für alles, was den Weltraum betrifft, übernommen.  Und nach all den Jahren, in denen ich einerseits gerne mit ihm die neuen Star Wars Filme im Kino geguckt habe (ich gehe mit meinem Vater im Allgemeinen sehr gerne ins Kino. Wenn wir auch sonst die ein oder andere Meinungsverschiedenheit haben mögen, treffen wir uns dann doch meistens bei Filmen), andererseits für uralt Science Fiction-Serien, die er sich nach Jahren der sepiafarben Erinnerungsschübe auf DVD besorgt hat, eher weniger Begeisterung aufbringen konnte, habe ich nun etwas weltraumaffines gefunden, mit dem ER wohl  eher weniger anfangen kann. Eine Videospieleserie, die ihr alle schon tausendmal durchgespielt habt, auf die ich aber erst jetzt gekommen bin, weil mir neue Sachen immer zu teuer sind und ich deshalb alles mindestens zwei Jahre zu spät spiele.

(Vollkommen unsinnig habe ich den Spannungsbogen ins geradezu Groteske überreizt. Im Endeffekt wurde alles im Eingangssatz verraten.)

Mass Effect sollte ursprünglich mein Ritalin für den von BioWare erzwungenen (JA! Ganz recht! Blutend liege ich zu euren Füßen darnieder und fordere den dritten Teil!) Dragon Age Entzug sein. Und was soll ich sagen: überrascht ob meiner Fähigkeit für derart aufblühende Gefühle muss ich verkünden, dass ich verliebt bin. Colin Farrell, du wirst immer einen Platz in meinem Herzen haben, aber du trägst einfach keinen Raumanzug der Normandy. Sorry.

Was so toll ist? Neben einem komplexen, durchdachten Spieleuniversum (haha. Universum. Halt echt.), super Dialogen, Charakteren und ordentlich Rumschießerei? Man kann mit fast jedem lebenden Organismus auf dem Raumschiff Sex haben. Und fühlt sich absurderweise selbst bei jeder Nebenbei-Affäre dazu gezwungen, sich moralisch korrekt zu verhalten. Eine Sache, die ich in meinem Privatleben so nie gebacken kriege. Während ich also Planeten scanne, Crewmitglieder verführe und den gesamten Orbit rette, verlottert meine Wohnung zusehends, der Kühlschrank bleibt leer und teilweise kommt es sogar vor, dass ich eine komplette Woche lang den selben Nagellack trage. Einerseits wäre es also durchaus wünschenswert, dass ich die Mass Effect-Trilogie endlich durchhabe, andererseits fürchte ich mich schon jetzt vor der bodenlosen Leere, die mich nach Beendigung dieses Meilensteins der spielbaren Cyper Opera aufsagen wird.

Ach ja: Ist euch eigentlich mal aufgefallen, wie zynisch und böse es ist, dass Lionel Richie eine BLINDE „Is it me you’re looking for?“ fragt?

Oblivion – eine Mischung aus Beverly Hills 90210 und Human Centipede 2

Ich habe es des Öfteren versprochen. Ihr habt nicht darauf gewartet. Aber das macht nichts. Es ist soweit, Wahrheit wird verkündet. Ich erzähle euch, warum „Oblivion“ aus der Elder Scrolls Reihe (das habe ich jetzt nicht in Anführungszeichen geschrieben? Warum? Das werdet ihr nie erfahren. Womöglich möchte ich unberechenbar und wild wirken) das schlechteste Spiel aller Zeiten ist. An anderer Stelle wiederum werde ich euch das beste Spiel der Welt neben „Red Dead Redemption“, „Barbies Zauberhafte Pferdewelt“, vorstellen, aber das hat noch Zeit.

Tatsächlich wollte ich „Oblivion“ noch eine Chance geben, mich in letzter Sekunde doch noch vom Gegenteil zu überzeugen und dachte mir „Hey, vielleicht einfach noch mal reinspielen!“ – betont euphemistisch fasse ich die drei Sekunden, in denen ich darüber nachgedacht habe, in einen fiktiven Ausruf. Ich nahm also die Hülle, öffnete sie, während ein buckliger Hofnarr, mit fidel strampelnden, bestrumpften Beinchen auf dem Fensterbrett sitzend, orchestrale Musik auf seiner Blockflöte einspielte, und fand sie leer vor. Gefühlte fünfeinhalb Stunden später hatte ich die CD-ROM immer noch nicht gefunden, dafür aber einige andere interessante Dinge über mein Leben (ich besitze anscheinend eine Ferris MC Maxi-CD) heraus- sowie „Age Of Empires II“ und „Gothic 3“ wiedergefunden. Ihr seht also: ich habe mein Möglichstes getan, es soll aber einfach nicht sein. Dementsprechend gibt es keine Screenshots, keine topaktuelle Echtzeit-Meinungsbildung im Quasi-Liveticker und ich werde auch nicht der Béla Réthy des unbezahlten Videospiele-Privatjournalismus sein.

Dass meine Meinung nichtsdestotrotz mehr als begründet ist, versteht sich aber von selbst. Der Hass und das Unverständnis, ja, fast möchte ich sagen DER SCHMERZ über die Behindertness dieses Spiels sind immer noch frisch. Wären sie eine Wunde, hätte sich noch kein trockener Schorf gebildet. Das Übel beginnt bereits mit einem Menü, was an Hässlichkeit seinesgleichen sucht. An dieser Stelle möchte ich ERNEUT eine Lanze für „Barbies Zauberhafte Pferdewelt“ brechen. Das erschien nämlich 1998 und selbst das sieht besser aus. Weil ich aber zehn Euro für den Scheiß ausgegeben hatte und „Oblivion“ außerdem vor nicht allzu ewiger Zeit von der asthmatischen Hauskatze deiner Mutter zum „Spiel des Jahres“ gekrönt wurde, war meine Hoffnung noch nicht vollends abgekratzt. Sie spuckte aber schon etwas Blut.

„Zumindest die Story muss doch geil sein“, dachte ich mir, hoffnungslos Bioware-verwöhnt und entgegen der normalen Elder Scrolls-Käuferschaft im Vollbesitz meiner geistigen und intellektuellen Fähigkeiten. Bevor auch diese letzte, lächerlich naive Annahme pulverisiert wurde, hatte ich mich bereits an der Erstellung meines Spielecharakters versucht. Ein Unterfangen, was an Lächerlichkeit kaum zu überbieten war, da es offenkundig von den Machern gar nicht gewollt ist, ein menschenähnliches… Wesen zu konfigurieren – selbst irgendwelche grünen Echsenfantasiewesen, die ebenfalls zur Wahl standen, sahen einer tatsächlich existenzfähigen Lebensform ähnlicher.

Nachdem man sich also schon vor Beginn des tatsächlichen Games zu Tode geärgert hat, wacht man in einer Gefängniszelle auf. Als wäre es nicht schon genug, dass man aussieht wie ein Arschkomparse aus „Human Centipede 2“, wird einem auch zu keinem Zeitpunkt erklärt, warum das eigentlich so ist, geschweige denn WER man eigentlich ist. Stattdessen kommt ein offensichtlich  hart auf Halluzinogenen hängengebliebener König, der vollkommen wirre Scheiße von einem Traum faselt. Anscheinend kam man in ebenjenem vor und sei der Einzige, der ihn oder seinen Sohn, vielleicht aber auch seine Schwiegermutter, ist alles schon ein bisschen her, retten kann. Dann flieht man durch irgendwelche Katakomben respektive läuft komplett desorientiert zwischen dem Staatsoberhaupt und seinen angepissten Schergen hinterher und Überraschung, der König stirbt. Durch einen Hinterhalt, der dermaßen unspektakulär inszeniert ist, dass man sich augenblicklich wünscht, jedwede Spielefigur wäre von Nicolas Cage synchronisiert.

Kurz zuvor bekommt man aber noch einen komplett fadenscheinigen Auftrag bezüglich bereits erwähnten Familienmitglieds und dann ist man plötzlich allein in irgendwelchen Höhlengängen, die zumindest mich persönlich stark an den Darmtrakt von Mr. Slave aus South Park erinnern. Vollkommen ohne ersichtlichen Grund wird man willkürlich abwechselnd von Ratten oder komischen kleinen Gnomen angegriffen, die geistig so zurückgeblieben sind, dass sie einen auch dann nicht bemerken, wenn man direkt vor ihren Augen vorbeischleicht. Andererseits merkt man aber auch selbst nur dann, dass man angegriffen wird, wenn die Geräusche des Feindes irgendwann sehr auffällig werden. Ich persönlich habe mich mehrere Minuten lang gefragt, ob was mit meiner Gesundheitsanzeige nicht stimmt, bis sich herausstellte, dass hinter mir eine Ratte war. Die ich durch einen Schlag mit einem Schwert töten konnte. (Natürlich war ich mir unsicher, ob ich sie auch wirklich getroffen habe, denn neben dem sinnlosen Einsammeln von MÜLL scheint es der Entwickler außerdem noch für elementar wichtig zu halten, keinerlei Trefferfeedback an den Spieler zu übermitteln.)

Kaum war ich aus den Höhlen raus, im Gepäck fünftausend Kilo menschliche Knochen, die wahrscheinlich keinerlei spielerische Bewandnis haben, außer es gibt einen versteckten RTL-Messie-Team-Dungeon, habe ich das Experiment „Oblivion“ dann auch für beendet erklärt. Es macht keinen Spaß, es sieht hässlich aus und seit Beverly Hills 90210 gab es wohl keine Story mehr, die mich weniger interessiert hat. Oder um es mit den Worten eines Amazon-Users zu sagen: „Als mir die Story erklärt wurde dachte ich, die wollen mich verarschen!“

Bayern – ein Freistaat wie ein sekretbeflecktes Laken

Blablabla diesdas Einleitung rhabarber. So. Ich wollte mich eigentlich sehr ausführlich über das Spiel „Aufbruch Bayern“ auslassen, nachdem ich in der vergangenen Woche sowohl einen großartigen Artikel auf vice.com dazu gelesen habe (ich bin zu faul ihn zu verlinken, aber da ihr alle so Internetaffine Herzchen seid, findet ihr ihn bestimmt auch selbst) als auch das Game als solches gezockt habe. Ich hatte mir tatsächlich sogar Notizen gemacht und war wirklich motiviert. Wirklich richtig. Dann kam das Wochenende. Und diese 3 für 45 Euro Media Markt/Saturn Aktion. Und nun habe ich hier gar großartige Dinge (Batman Arkham City, GTA IV, Assassin’s Creed Brotherhood, 400g Hüftsteak) rumliegen und all das macht viel, viel mehr Spaß, als rhetorisch auf jemandem rumzutrampeln, der sowieso schon am Boden liegt. Das war eine Metapher.

Andererseits habe ich mich noch nie gescheut, auch tote Kühe durch’s Dorf zu treiben  – wohoo, Metapher-Massaker!! – und deshalb gibt es jetzt einen Text (wenig) und Screenshots (für diesen Blog überdurchschnittlich viele). Film Ab.

 

Bevor man überhaupt irgendetwas tun kann, muss man sich registrieren und dabei bereits einen Spielernamen festlegen. Ich entscheide mich für Obazda_Ottmar. Es erscheint mir angemessen. Warum ich mich anschließend trotzdem dafür entscheide, eine Frau zu spielen? Weil ich ein crazy Dude bin, ok?! Gibt es heutzutage überhaupt noch klare Geschlechtertrennungen? Ist das nicht vielleicht auch irgendwie diskriminierend? Und muss ein jeder aufgeklärter und moderner Bürger sich nach Alice Schwarzer nicht eigentlich ZWINGEND dafür entscheiden, die Frau zu wählen? Fragen, die mir vielleicht nur Bethesda beantworten kann, die Macher des furchtbaren Spiels der Welt: The Elder Scrolls – Oblivion. An deren Machwerk haben sich die Entwickler von „Aufbruch Bayern“ bezüglich der stark trisomiegefärbten Gesichtszüge der wählbaren Spielcharaktere offenkundig immens orientiert und eigentlich habe ich bereits zu diesem Zeitpunkt keine Lust mehr, weiterzuspielen. Warum ich es auch bei eben erwähntem Rollenspiel nie über die erste halbe Stunde hinaus ertragen habe, könnt ihr demnächst im Sonderblog „Warum Oblivion der Eichelkäse deines nach Masturbationsstrangulierungsunfällen querschnittsgelähmten Stiefvaters ist“ nachlesen.

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Eingangs wird man von der Schutzpatronin Bayerns, Bavaria, mit den debilsten Fragen aller Zeiten genervt und muss sich für ein allgemeines Wirkungsfeld entscheiden. Familie, Wissen oder Fortschritt. Dies wird absolut keinen Einfluss auf den späteren „Spielverlauf“ haben, aber das weiß ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Kaum habe ich mich für „Das Buch des Wissens“ entschieden, sehe ich mich einem brüllenden Löwen ausgeliefert, der grundlos auf einer Brücke steht. Ich muss diese Brücke überqueren, um meinen inneren Gipfel zu stürmen (das ist das erklärte Ziel des Spiels. Irgendwie erinnert das alles an Selbstbefriedigung, aber sind Körpersekrete nicht irgendwie auch eine Allegorie auf Bayern?). Was also tun? Bavaria eilt zur Hilfe. Wieder werde ich vor die Wahl gestellt: Lenke ich ihn mit einem Löwenbaby ab, schlage ich in einem Löwenratgeber (!!!)  nach oder entkomme ich mit einem Hoverboat. Natürlich fällt die Entscheidung auf letzteres. Eine fatale Sekunde lang denke ich „Hey, wie cool wäre es jetzt, wenn ich dieses Board selbst steuern könnte und es so eine Art Mini-…“ – die kurze Animation ist vorbei.

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Mein supercooles Zukunftsgadget ist weg und der Löwe auch. Ich bin wieder allein, nur umgeben von sinnlosen Sim-Kristallen, die Studien- und Kitaplätze generieren und mich mit vermeintlichen Fun-Facts rund um den Freistaat versorgen. An dieser Stelle wird klar: Wer Bayern bisher nicht gehasst hat, tut es jetzt.

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Nach ganzen drei Minuten Spielzeit darf ich mich dann noch entscheiden, welches random Gebäude ich in die 25 cm lange Gamewelt bauen möchte und dann ist „Aufbruch Bayern“ auch schon vorbei. Ich fühle mich nicht so, als hätte ich meinen inneren Gipfel erklommen. Ich warte noch ab. Vielleicht passiert noch irgendetwas? Bavaria hilft nicht. Mein crazy Pumpspeicherkraftwerk pumpt unhörbar vor sich hin. Es ist still auf der Spitze dieses Berges. Ich schließe das Fenster, vergrabe mein Gesicht in den Händen und weine. Tränenlos.

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Wer wissen möchte, wie dieses wahnsinnig junge und wilde Computerspiel garantiert nicht ist, kann sich auch noch das Propagand.. Promovideo des Entwicklerteams angucken. Und zwar HIER.

Studium. Oder: Ist ein Atomkrieg wirklich der Worst-Case?

Ich befinde mich in horizontaler Position. Nicht, weil ich berufstechnisch mittlerweile in ein lohnenderes Metier gewechselt habe – nein. Ich bin ermattet. Ermattet von der Gesamtsituation, die sich aktuell hauptsächlich als mein Studium darstellt. Was ich studiere tut nichts zur Sache. Wahrscheinlich könnte man es als eine Mischung aus BWL, VWL, Geisteswissenschaften, Jura, Eventmanagement und Marketing bezeichnen. Oder man spart sich die differenzierte Darstellung und nennt die Sache beim Namen: Scheiße.

Ich gliedere den folgenden Text mit den Hass-Highlights der vergangenen Wochen aus Gründen der Übersichtlichkeit mit Spiegelstrichen. Somit hat er etwas, was meinem Studiengang anscheinend vollkommen abgeht. Struktur.

–          Wichtige Unterlagen: Es gibt Gründe, warum man mit den Dozenten über Mailing-Systeme vernetzt ist. Das dachte ich zumindest immer. Während man allerdings monatelang auf das Zusenden elementar wichtiger digitalisierter Texte wartet (spontan werfe ich „bald abzugebender Leistungsnachweis“ ein), wird man zwischenzeitlich hauptsächlich mit Veranstaltungstipps, sowie ständig wechselnden Aufgabenstellungen und Vorlesungszeiten genervt. Solche Dinge weiß man als Dozent nämlich immer frühestens um ein Uhr nachts am Tag der Veranstaltung. An dieser Stelle High Five auch an den Professor, der uns nach wochenlangem Hinhalten endlich das Kulturgeschichte-Skript geschickt hat. Falsch rum eingescannt, weil man es ja sowieso ausdruckt und dann drehen kann. Sicher.

–          Spontane Veranstaltungsänderungen: Eben bereits kurz angesprochen, gebührt dieser Thematik ein eigener Spiegelstrich des Hasses.  Als würde es nicht reichen, dass es pro Veranstaltung nur einen Termin in der Woche gibt sowie jede Veranstaltung genau EIN MAL IM JAHR angeboten wird, müssen wir außerdem alle drei Wochen Freitagabends und Samstagmorgens in die Uni. Und wer sich jetzt schon denkt „Hey, ziemlich scheiße!“ wird meine Begeisterung über spontan auf die „Freizeit“ verlegte Zusatzprojekte oder Exkursionen teilen. Bei manchen Dozenten öffne ich erst gar nicht mehr die E-Mail. Stattdessen  kratze ich mir lachend die Arme auf und dünste meine Augäpfel. Irgendwo muss der psychische Stress ja hin.

–          Last but not least: Dozenten, die nicht die geringste Ahnung haben, wovon sie sprechen. Stellt euch vor, ihr seid jung und wissbegierig. Ihr nehmt Jahre unterhalb der Armutsgrenze in Kauf, um euch zu bilden und in eine strahlende Zukunft zu blicken. Und dann sitzt ihr mit Block und Stift in einem Seminar, bereit jedes Fitzelchen an Information aufzusaugen, und hört primär folgendes: „Das müsste ich nachgucken.“, „Das kann ich ihnen gerade so nicht beantworten.“, „Das weiß ich nicht.“ ODER, absolutes Highlight, „Können sie das nicht mal eben in Erfahrung bringen? Sie sitzen doch vor ihrem Laptop!“ Ganz zu schweigen von den Lehrbeauftragten, deren oberstes Ziel es ist, einem einfach nur Zeit zu stehlen. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur dumm und verstehe den Zusammenhang zwischen dem Modul „Inventarisierung 2“ und willkürlich abfotografierter Trockensalami („mild“ und „würzig“) aus einem LIDL-Prospekt nicht.

Wenn ich irgendwann mal elendig an Lungenkrebs zugrunde gehe, mache ich mein Studium dafür verantwortlich. Während ich auf den röchelnden Tod warte, beschäftige ich mich ab und an aber doch AUCH mit Dingen, die ziemlich super sind. Zum Beispiel Interviews über Wendyegoshooter, Penisse und Videospiele. Was man sich natürlich auch mal angucken kann und zwar HIER (klicken. Jetzt. Sofort.).

Ain’t nothing changed but the Grafikleistung.

Wow. Hip Hop.

Nach dieser schmissigen Einleitung, die euch vor Freude die Tränen in die Augen treibt und somit vergessen lässt, dass ich Blogmäßig zuletzt ein bisschen unmotiviert und faul war: weiter im Text. Ich hörte dereinst, gestern, aber „dereinst“ ist ein wunderschönes Wort, einen Podcast über den Supernintendo von Männern im perwollverwaschenen Alter zwischen Nicht-mehr- und schon-wieder-geil (28-40, frech geschätzt). Natürlich habe ich nicht die kompletten tausend Stunden gelauscht, weil ich im Allgemeinen der schlechteste Zuhörer der Welt bin, aber doch lange genug um sagen zu können: Ich hasse sie. Ich HASSE Leute, die in ihrer Kindheit respektive Jugend von ihren Eltern Spielekonsolen geschenkt bekommen haben. Der Neid frisst mich von innen heraus auf und ich habe dieses Kindheitstrauma, eines der vielen, schluchz, jammer, vielleichtmalanspiegeltvschreiben, bis heute nicht überwunden.

Ich hatte eine sehr ökologisch vertretbare Kindheit. Mit Holzspielzeug, Grünkernbratlingen, Sailor Moon-Verbot und Rohrzucker-Düsis (das sind die mongoloiden Adoptivbrüder von Cornflakes). Das führte zum einen dazu, dass ich schon früh lernte wahnsinnig kreativ zu sein und deshalb auch heute der lustigste und faszinierendste Mensch der Welt bin. Zum anderen lebte ich aber in permanenter Trauer und führte zu Supermario eine Romeo und Julia-hafte On-Off Beziehung, immer Abhängig von Wohlwollen meiner beiden Konsolen-Schulfreundinnen. Statt „Supermario“ hätte ich im vorhergehenden Satz fast „Sperma“ geschrieben. Ich weiß nicht warum.

I. und K., besagte privilegierte Zockermädchen befanden sich im Besitz eines Supernintendos (I.) sowie einer Playstation 1 und gehörten außerdem zu den Kindern, die ihren Eltern entweder egal waren, oder mit der hartarbeitenden, alleinerziehenden Mutter zusammen lebten. Für jemanden wie mich, der früher immer gespielt hat, als Waise den Reiterhof seiner Eltern zu erben, die ideale Familiensituation. Nach der Schule konnte man sich nicht nur selbst vorgekochte Spagetti Bolognese warmmachen, nein, es gab außerdem Milchschnitte (!!!) und die Option, stundenlang „Dragon Ball Z“ oder „Yoshi’s Story“ zu zocken und was soll ich sagen… Es war wunderschön. Auch heute noch lade ich mich bevorzugt bei Menschen mit Konsolen ein, mittlerweile aber, um betrunken und sehr aggressiv „Red Dead Redemption“ zu spielen. Sobald ich aber wieder zuhause bin, bei der verstaubten Playstation 2 und dem stark mitgenommen N64, bricht die Fassade zusammen. Holztiere, Kirschkernkissen, Eurythmie – mein Kopf droht zu explodieren, meine Hände zittern unkontrolliert, wie elektrisiert kratze ich mir das Gesicht blutig. Der Schmerz lodert wieder auf. Nichts hat sich geändert seit 1999. Nur die Grafikleistung.

Melancholische Tränen der Erinnerung fluten über mein feistes Gesicht, während ich leise wimmernd zu „Nothing Else Matters“ hin und her schunkle. Hach, Kindheit. Du Zeit des reinen Glücks und der ersten, zaghaft blühenden Profilneurosen.